Markenlexikon

Sun Records

Ursprungsland: USA

SAM PHILLIPS: Am 3. Januar 1950 eröffnete der frühere Discjockey, Radio-Moderator und Event-Manager Samuel (Sam) Cornelius Phillips (1923 – 2003) in der 706 Union Avenue in Memphis/Tennessee den Memphis Recording Service. Die Blues-Platten, die u.a. B.B. King, James Cotton, Roscoe Gordon, Howlin' Wolf, Little Milton, Junior Parker, Rufus Thomas oder Muddy Waters dort aufnahmen, wurden von Chess Records (Chicago) und Modern Records (Los Angeles) veröffentlicht. Der von Ike Turner geschriebene Titel »Rocket 88« von Jackie Brown & His Delta Cats (1951) gilt heute als der erste Rock 'n' Roll-Titel der Musikgeschichte. Im Febraur 1952 etablierte Phillips das Label Sun Records. Die erste Sun-Single war »Blues In My Condition« von Little Walter Horton und Jack Kelly (Sun 174); sie wurde allerdings nur von Radio-Stationen gespielt. Die erste Sun-Single, die es auch in den Plattenläden zu kaufen gab, war »Drivin' Slow« von Johnny London (Sun 175). Die erste Hit-Single gelang Sun 1953 mit »Bear Cat« von Rufus Thomas.

ELVIS PRESLEY: Am 18. Juli 1953 kam der Lastwagenfahrer Elvis Presley in das Studio und nahm die Single »My Happiness« / »That's When Your Heartaches Begin« als nachträgliches Geburtstagsgeschenk für seine Mutter auf. Der ganze Spaß kostete 3,98 Dollar. Da er mit dem Ergebnis nicht sonderlich zufrieden war, nahm er im Januar 1954 noch zwei weitere Songs auf (»Casual Love Affair«, »I'll Never Stand In Your Way«). Sam Phillips, der einen weißen Country-Sänger mit einer schwarzen Rhythm & Blues-Stimme suchte, weil schwarze Musiker damals von den weißen Radio-Stationen nicht gespielt wurden, nahm ihn schließlich im Juni 1954 unter Vertrag. Mit seiner Band, die aus Scotty Moore (Gitarre), Bill Black (Bass) und ab 1956 Dominic Joseph Fontana (Schlagzeug) bestand, entwickelte er seinen typischen Rock 'n' Roll-Stil aus Blues, Country & Western, Rockabilly und Rhythm & Blues.

Im Juli 1954 erschien bei Sun die erste Elvis-Single »That's All Right, Mama« / »Blue Moon Of Kentucky« (Sun Nr. 209). Tatsächlich dachten viele, dass da ein Schwarzer singt, doch der neue Stil kam beim Publikum an. Der lokale Radio-DJ Dewey Phillips, der nicht mit Sam Phillips verwand war, spielte den Titel kurz nach seiner Veröffentlichung in seiner Sendung. Bald darauf bekam der Sender WHBQ ständig Anrufe von Hörern, die den Titel hören wollten, sodass Phillips »That's All Right, Mama« fast nonstop spielen musste. Kurze Zeit später war Elvis bereits ein regionaler Star, der in der Grand Ole Opry von Nashville, dem Mekka der Country-Musik, auftrat. Elvis war der Erste, der die Rassenschranken im Süden der USA durchbrach und damit auch schwarzen Musikern den Weg zum Erfolg ebnete.

ELVIS PRESLEY / RCA-VICTOR: Im November 1955 kaufte »Colonel« Tom Parker, der frühere Manager der Country-Stars Eddy Arnold und Hank Snow, Elvis für 40.000 Dollar aus seinem Vertrag frei (5000 Dollar bekam Elvis) und brachte ihm bei dem Branchenriesen RCA-Victor unter, nachdem Atlantic nur 25.000 Dollar geboten hatte.

SHELBY SINGLETON JR.: Sun Records indes blieb auch weiterhin eine Talentschmiede, die vielen späteren Stars als Karriere-Sprungbrett diente (Carl Perkins, Johnny Cash, Jerry Lee Lewis, Roy Orbison, Charlie Rich). Sun war eine Plattenfirma, die hauptsächlich Singles veröffentlichten. Zu den Sun-Erfolgssingles zählen »Blue Suede Shoes« von Carl Perkins (1956), »Whole Lotta Shakin' Going On« (1957) und »Great Balls Of Fire« (1957) von Jerry Lee Lewis. 1969 verkaufte Phillips, der auch Anteile an der in Memphis gegründeten Hotelkette Holiday Inn besaß, die Firma an Shelby Singleton Jr., den früheren Vizepräsidenten von Mercury Records, der die alten Aufnahmen bis heute unter dem Label Sun International vermarktet. Sam Phillips wurde 1986 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Er starb im Juli 2003 im Alter von 80 Jahren. Das Original Sun Studio in Memphis wurde 1987 wiederöffnet und ist heute eine Touristen-Attraktion.

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