Markenlexikon

Stax Records

Ursprungsland: USA

STAX RECORDS: Der Bankangestellte und Hobby-Musiker Jim Stewart (* 1930) gründete 1957 in Memphis/Tennessee das Plattenlabel Satellite Records. 1958 trat seine Schwester Estelle Axton (1918 – 2004), eine ehemalige Lehrerin, in das Unternehmen ein. Vorher hatte sie ihren Ehemann dazu überredet, ihr gemeinsames Haus zu verpfänden, um mit dem Erlös von 2.500 US-Dollar ein Ampex-Studio-Tonbandgerät kaufen zu können. Nachdem die Gründer 1961 zufällig entdeckt hatte, dass es in Kalifornien bereits eine gleichnamige Plattenfirma gab, benannten sie das Label in Stax Records (STewart + AXton) um. Ihr Studio richtete sich die Firma 1959 in einem ehemaligen Kino in der East McLemore Avenue ein. Im Kassenbereich betrieb die Firma zudem einen Plattenladen, der sich zu einen Treffpunkt der lokalen Teenager entwickelte.

ATLANTIC, ATCO: Stax bediente zunächst nur den regionalen Markt mit Country-, Rockabilly- und Rhythm & Blues-Platten. Erst als Atlantic/ATCO Records 1960 den Vertrieb der Stax-Platten übernahm, kamen sie in den überregionalen Handel. Stax war für den musikalischen Teil zuständig und trug die Kosten bis zur Fertigstellung der Masterbänder, Atlantic übernahm die Herstellungs-, Werbe- und Vertriebskosten. Atlantic ließ bis Mitte der 1960er Jahre auch eigene Musiker in den Stax-Studios produzieren (u.a. Wilson Pickett). Mehrere fest engagierte Studiobands wie Booker T. & the MG´s, The Memphis Horns, The Mar-Keys und The Bar-Kays, die spontane und kreative Atmosphäre in den Studios sowie ein Nachhall-Effekt, der sich aus dem Ursprung des Raums als Kinosaal ergab, schufen einen ganz eigenen Sound (Memphis Soul), den viele Musiker schätzten. Die Aufnahmen fanden häufig ohne Arrangements ganz spontan statt und wurden nachträglich auch nicht mehr abgemischt.

OTIS REDDING: Der Soul-Sänger Otis Redding, der von 1962 bis zu seinem Unfalltod 1967 bei Stax unter Vertrag stand, entwickelte sich zum größten Star des Labels. In dieser Zeit nahm er zahlreiche Platten auf, die sich vor allem in den R&B/Soul-Charts weit vorne platzieren konnten, u.a. 1965 der Titel »Respect«, den Atlantic-Produzent Jerry Wexler 1967 mit Aretha Franklin noch einmal neu aufnahm. Diese Version verkaufte sich besser als das Original und stand in den R&B- und Pop-Hitparaden wochenlang auf Platz 1. Weitere erfolgreiche Stax-Künstler waren u.a. Albert King, Carla Thomas (die Königin des Memphis Soul), Eddie Floyd, Isaac Hayes, Johnnie Taylor, Rufus Thomas (Vater von Carla Thomas), Steve Cropper, Mel And Tim, The Soul Children, The Dramatics, The Emotions und The Staple Singers.

ISAAC HAYES, SHAFT, ENTERPRISE RECORDS, VOLT RECORDS: Isaac Hayes, der bei Stax 1964 als Studio-Musiker angefangen hatte und später zum Komponisten und Produzenten aufgestiegen war, schaffte 1969 mit dem Album »Hot Buttered Soul« den Durchbruch als Solo-Musiker. Weltweite Berühmtheit erlangt er 1971 mit dem Soundtrack zu dem Hollywood-Spielfilm »Shaft«. Beide Platten wurden auf dem Stax-Sublabel Enterprise veröffentlicht. Neben Enterprise betrieb Stax Records mit Ardent, Chalice, HIP, Respect, Safice, Superblue, Truth und Volt noch weitere Sublabels.

GULF & WESTERN: 1968 verkauften die Gründer das Label an Gulf & Western/Paramount Pictures, wodurch der Vertriebsvertrag mit Atlantic endete. Bereits 1970 erwarben Jim Stewart und Al Bell, der seit 1965 bei Stax gewesen war, u.a. als Produzent, Songwriter, Vertriebsdirektor und Vice President, zurück. Finanzielle Hilfe bekamen sie dabei von der Deutschen Grammophon Gesellschaft (Polydor), die damals den beiden Elektrokonzernen Siemens und Philips gehörte. Al Bell übernahm Stax Records 1972 ganz, da sich das Major-Label CBS-Columbia, das ebenfalls Interesse signalisiert hatte, aus kartellrechtlichen Gründen nicht an Stax beteiligen konnte. Stattdessen wurde ein Vertriebsabkommen zwischen CBS-Columbia und Stax geschlossen. Stax bekam daraufhin von CBS einen Kredit in Höhe von 6 Millionen Dollar. Der damalige CBS-Records-Chef Clive Davis sah darin eine Möglichkeit, einen Fuß in den afroamerikanischen Markt zu bekommen, der damals vor allem von Motown beherrscht wurde.

WATTSTAX MUSIKFESTIVAL: Im August 1972 veranstaltete Stax im Los Angeles Memorial Coliseum das Musikfestival Wattstax, bei dem zahlreiche Stax-Künstler auftraten, aber auch Bürgerrechtler wie Jesse Jackson. Das Festival, das über 100.000 Zuschauer anzog, fand zum Gedenken an die Rassenunruhen in Watts, einem Bezirk im südlichen Los Angeles, statt. The Watts Riots hatten im August 1965 im Verlauf von sechs Tagen 34 Todesopfer und über tausend Verletzte gefordert. Das Konzert wurde auf dem Doppel-Album »Wattstax: The Living Word« veröffentlicht. Außerdem entstand der Dokumentarfilm »Wattstax«, der 1974 eine Nominierung für den Golden Globe als bester Dokumentarfilm erhielt. 1973 produzierte Elvis drei Alben in den Stax Studios (»Raised On Rock«, »Good Times«, »Promised Land«), die allerdings nicht bei Stax sondern bei Elvis' Vertragspartner RCA Records veröffentlich wurde.

Die Probleme für Stax begannen 1973 mit dem Rausschmiss von Clive Davis bei CBS. Ihm wurde vorgeworfen Firmengelder veruntreut und jährlich Millionen Dollar für Bestechungszwecke ausgegeben zu haben (Davis ging anschließend zu Columbia Pictures/Bell Records/Arista Records). CBS verlor daraufhin schnell das Interesse an Stax. Man kürzte die Vertriebstantiemen und machte kaum noch Werbung für die Stax-Platten. Da CBS mit Earth Wind & Fire, den Isley Brothers und Sly & The Family Stone selbst einige R&B/Soul-Musiker unter Vertrag hatte, konkurrierten die Platten beider Label auch in den Regalen der großen Einzelhändler, was dazu führte, dass die Stax-Platten das Nachsehen hatten. Den Vertriebsvertrag auflösen wollte CBS allerdings auch nicht, da man Bedenken hatte, dass sich Stax ein konkurierendes Major-Label als neuen Vertragspartner suchen könnte.

KONKURS, FANTASY RECORDS: Ende 1975 musste Stax Records schließlich Konkurs anmelden, wobei Jim Stewart seine Villa verlor, da er sie noch kurz vorher für ein Bankdarlehen bei der Union Planters Bank zur Rettung seiner ehemaligen Firma verpfändet hatte. Al Bell wurde während des Insolvenzverfahrens inhaftiert, aber 1976 vom Vorwurf des Bankbetrugs freigesprochen. Den Stax-Katalog von 1968 bis 1975 und den Namen Stax ersteigerte anschließend eine Firma, die sie 1977 an Fantasy Records weiterverkaufte; die Aufnahmen bis 1968 gehörten dem früheren Vertriebspartner Atlantic.

STAX RECORDS (2): Fantasy Records reaktivierte das Label Stax 1978 unter der Leitung des langjährigen Stax-Produzenten und -Komponisten David Porter. Stax nahm nun wieder Musiker wie Rance Allen, Soul Children und Shirley Brown, die Stax 1974 mit »Woman To Woman« den letzten Chart-Hit beschert hatte, unter Vertrag und brachte bis dahin unveröffentlichtes Material von früheren Stax-Künstlern heraus. In den 1980er und 1990er Jahren konzentrierte sich Fantasy/Stax nur noch auf Wiederveröffentlichungen alter Stax-Aufnahmen, teilweise in Kooperation mit der Atlantic Recording Corporation, dem Eigentümer des Stax-Katalogs bis 1968.

STAX MUSEUM OF AMERICAN SOUL MUSIC: 1981 verkaufte die Union Planters Bank den einstigen Stax-Firmensitz in der East McLemore Avenue, wo sich auch das Stax-Studio befunden hatte, für zehn Dollar an die Southside Church of God in Christ. Die Kirche betrieb in dem Gebäude eine Zeitlang eine Suppenküche, ließ es dann aber verfallen. 1989 wurde es schließlich abgerissen. Ab 1998 begann eine gemeinnützige Revitalisierungsmaßnahme für das zwischenzeitlich verwahrloste Gebiet, an dem Bewohner des Viertels und anonyme Spender beteiligt waren. Zwischen 2001 und 2003 wurde das Stax-Studio originalgetreu wieder aufgebaut und dient nun als Museum (Stax Museum of American Soul Music). Weiterhin entstanden in unmittelbarer Nähe die Stax Music Academy und die Soulsville Charter School. Alle drei Einrichtungen werden von der Soulsville Foundation betrieben. 2002 wurde Jim Stewart in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.

Nachdem Fantasy Records 2004 von Concord Records aus Beverly Hills/California gekauft worden war, kam es 2007 erneut zu einer Reaktivierung des Labels Stax. Zu den ersten neuen Künstlern, die Stax unter Vertrag nahm, gehörten Isaac Hayes, Angie Stone und Soulive.

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