Markenlexikon

State Records

Ursprungsland: Großbritannien

WAYNE BICKERTON, TONY WADDINGTON: Die Musiker, Songwriter und Produzenten Arthur Ronald (Wayne ) Bickerton (1941 – 2015) und Anthony Brandon (Tony) Waddington (* 1943) lernten sich bereits als Kinder kennen. In den frühen 1960er Jahren spielten beide in der Band des Kurzzeit-Beatle Pete Best, Bickerton als Bassist und Sänger, Waddington als Gitarrist. Anschließend ging Bickerton als Produzent zu Decca/Deram, wo er einerseits die Vorgängerband von King Crimson betreute, andererseits aber auch mit Stars wie Tom Jones oder Petula Clark zusammenarbeitete. 1969 wurde er A&R-Chef bei Polydor Records. Waddington war beim Decca Musikverlag Burlington Music angestellt. Ende der 1960er Jahre bildeten Bickerton und Waddington eine Songwriter-Duo. Einer ihrer ersten Erfolge war 1968/69 der von der US-Mädchenband The Flirtation gesungene Titel »Nothing But A Heartache«.

RUBETTES: Im Herbst 1973 schrieben und produzierten sie in den Londoner Lansdowne Recording Studios mehrere Demosongs für ein eventuell geplantes Rock'n'Roll-Musical: »Sugar Baby Love«, »Tonight«, »Juke Box Jive« und »Sugar Candy Kisses«. Ursprünglich gab es die Idee, einen der Songs für den Grand Prix Eurovision de la Chanson einzureichen. »Sugar Baby Love boten sie u.a. auch Showaddywaddy an, die ihn aber ablehnten. Schließlich versuchten Bickerton und Waddington eine Band aus den an der Deomoaufnahme beteiligten Studiomusikern zusammenzustellen. Doch außer dem Schlagzeuger John Richardson wollte niemand mitmachen und Leadsänger Paul DaVinci hatte bereits einen Solovertrag mit einer anderen Plattenfirma unterschrieben. So wurde aus vollkommen neuen Musikern eine Band namens The Rubettes zusammengestellt (Alan Williams, Bill Hurd, John Richardson, Mick Clarke, Pete Arnesen, Tony Thorpe). »Sugar Baby Love« (mit der Stimme von Paul Da Vinci) erreichte 1974 in vielen Ländern Spitzenpositionen in den Charts (Australien, Belgien, Deutschland, Großbritannien, Italien, Österreich, Niederlande, Südafrika) und verkaufte sich weltweit über 6 Millionen Mal.

STATE RECORDS: Nach dem phenomenalen Erfolg von »Sugar Baby Love« gründeten Bickerton und Waddington zusammen mit dem Polydor-Mitarbeiter John Fruin ihr eigenes Plattenlabel State Records, das von Polydor Records vertrieben wurde. Im Prinzip war State Records hauptsächlich eine Label für die Veröffentlichungen der Rubettes und einiger weniger Künstler, für die Bickerton und Waddington ebenfalls Songs schrieben und Platten produzierten. Die ersten drei Rubettes-Singles (»Sugar Baby Love«, »Tonight«, »Juke Box Jive«) wurden noch auf Polydor veröffentlicht, alle weiteren wie »I Can Do It« (1975), »Little Darling« (1975), »"You're The Reason Why« (1976), »Under One Roof« (1976), »Baby I Know« (1977) oder »Ooh La La« (1977) dann bei State Records. »Sugar Candy Kisses« wurde 1975 für Mac & Katie Kissoon ein Charterfolg.

ODYSSEY STUDIO: 1979 eröffnete State Records in London das Odyssey Studio, wo u.a. Cliff Richard, Paul McCartney, Kate Bush, George Michael, Spandau Ballet und Roger Daltrey Platten-Aufnahmen machten. 1989 wurde es jedoch geschlossen und an einen Radiosender verkauft. Das Label existiert noch immer, allerdings nur noch als Verwalter des alten Katalogs. Der letzte Titel, den State veröffentlichte, datiert aus dem Jahr 2012. Davor hatte es über 30 Jahre lang keine Aktivitäten mehr gegeben.

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