Markenlexikon

Der Spiegel

Ursprungsland: Deutschland

Im November 1946 veröffentlichte die britische Besatzungsmacht in Hannover erstmals das Nachrichtenmagazin Diese Woche. Vorbilder waren das amerikanische Time-Magazine und das britische Magazin News Review. Chefredakteur wurde der damals 23-jährige Rudolf Augstein. Nach fünf Ausgabe stiegen die Briten wieder aus und verkauften das Blatt an Augstein, den Fotografen Roman Stempka und den Kaufmann Gerhard Barsch, die es in Der Spiegel umbenannten. Der erste Spiegel erschien am 4. Januar 1947. 1950 wurde Der Spiegel durch seinen Vorwurf, Bonn sei nur durch Bestechung von Abgeordneten zur vorläufigen Hauptstadt Deutschlands gewählt worden, bundesweit bekannt. 1952 wurde der Redaktionssitz nach Hamburg verlegt. Im Oktober 1962 erschien die Titelgeschichte »Bedingt abwehrbereit« über das NATO-Manöver Fallex-62, die dazu führte, dass die Polizei die Redaktions- und Verlagsräume besetzte und mehrere Spiegel-Mitarbeiter unter dem Vorwurf des Landesverrates verhaftete. Augstein blieb 103 Tage in Untersuchungshaft – zu einem Gerichtsverfahren kam es jedoch nicht. Die Begleitumstände dieser Aktion, die in der deutschen Öffentlichkeit von heftigen Protesten begleitet wurde, führte durch den Rücktritt von fünf FDP-Ministern zum Sturz des vierten Adenauer-Kabinetts. 1971 verkaufte Augstein 25 Prozent des Spiegel-Verlages an den Verlag Gruner & Jahr und 1974 beteiligte er seine Mitarbeiter durch eine Schenkung mit 50 Prozent am Spiegel-Verlag. Mit einer ganzen Reihe weiterer Enthüllungen über Machenschaften von Politikern und Managern (1982 Neue Heimat-Affäre, Flick-Affäre; 1987 Barschel-Affäre; 1991 Traumschiff-Affäre/Lothar Späth) etablierte sich Der Spiegel, der seinen Redaktionssitz 1952 nach Hamburg verlegt hatte, als führendes deutsches Nachrichtenmagazin. Einige Politiker und Funktionäre mussten nach den Spiegel-Berichten zurücktreten (Barschel, Engholm, Filbinger, Maihofer, Möllemann, Späth, Steinkühler, Strauß, Streibl) oder wurden zu Geldstrafen verurteilt (Graf Lambsdorff, von Brauchitsch, Friderichs). Die Aufgabe des Spiegel formulierte der im November 2002 verstorbene Rudolf Augstein einmal folgendermaßen: »Er gibt acht, das bei der Pflege der Bonner Landwirtschaft nicht allzuviel gedüngt, geschmiert und eingesackt wird«.

Der Spiegel Logo