Markenlexikon

Snapchat

Ursprungsland: USA

Die liebste Beschäftigung von Millionen Internet-Nutzern in aller Welt ist das Versenden von eigenen Fotos oder Videos an Freunde und Bekannte. Weniger schön ist die Tatsache, dass diese Bilder unter Umständen eine langes Eigenleben im Netz entwickeln, auf das der Versender keinen Einfluss mehr hat – auch wenn ihm die früheren Aufnahmen später noch so peinlich sind. Um dies zu verhindern, entwickelten die beiden Stanford-Absolventen Robert (Bobby) Murphy (* 1989) und Evan Thomas Spiegel (* 1990) im Jahr 2011 die kostenlose App Snapchat (Snap/Snapchot + Chat), die zunächst nur für das Betriebssystem iOS (iPhone) verfügbar war. Erst ein Jahr später folgte eine Android-Version.

Zwei Jahre nach Veröffentlichung der App behauptete Reggie Brown die Idee zu Snapchat gehabt zu haben, außerdem sei er Erfinder des Namens Snapchat und des Maskottchens Ghostface Chillah. 2013 verklagte Brown die Gründer, die behaupteten, er sei damals nur ein unbezahlter Praktikant gewesen, während Brown davon ausgegangen war, ein gleichberechtigter Partner zu sein. 2014 gaben die Gründer schließlich zu, dass Brown die App von Grund auf gestaltet hatte. Beide Seiten schlossen einen Vergleich über eine nicht genannte Summe.

Die mit Snapchat versendeten Fotos und Videos lösen sich, je nach Einstellung, entweder nach 10 Sekunden oder spätestens nach 24 Stunden selbstständig auf. Es bleiben keine Spuren im Internet, auf den Servern oder den verwendeten Geräten zurück. So zumindest die Aussage von Snapchat. Tatsächlich lassen sich die angeblich gelöschten Dateien mit etwas Mühe in den Ordnern des Empfängergerätes wiederfinden und weiterhin nutzen. Im Prinzip ähnelt das Löschen der Snapchat-Dateien dem Löschen von Dateien auf einer Festplatte. Die Dateien werden zwar nicht mehr angezeigt, sind aber physisch noch da. Allerdings überschreibt das System die alten Dateien nach und nach mit neuen, sodass sie dann tatsächlich irgendwann verschwunden sind. Falls sie der Empfänger nicht vorher anderweitig gesichert hat. Darüber hinaus können in Snapchat inzwischen auch Screenshots gemacht werden.

Snapchat
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Weiterhin besteht neben der herkömmlichen Messaging-Funktion (Text-Kommunikation) die Möglichkeit, die Fotos und Videos mit allerlei Effekten, Sprechblasen, Emojis, eigenen Zeichnungen und Texten zu gestalten und zu verfremden, was einen zusätzlichen Reiz auf die vorwiegend jugendlichen Nutzer im Alter von 16 bis 24 Jahren ausübt. Über Snapchat werden zudem häufig Fotos und Videos mit intimen Inhalten ausgetauscht.

2013 lehnte das Unternehmen ein Übernahmeangebot von Facebook in Höhe von 3 Milliarden US-Dollar ab. 2016 überholte Snapchat mit 10 Milliarden täglichen Video-Aufrufen den Konkurrenten Facebook (8 Milliarden) deutlich. Finanziers des Startups sind zahlreiche Risikokapitalgeber (u.a. Benchmark Capital, Coatue Management, Glade Brook Capital Partners, General Catalyst Partners, Institutional Venture Partners, Kleiner Perkins Caufield & Byers, Lightspeed Venture Partners, SV Angel). Im März 2017 ging das Mutter-Unternehmen Snap Inc. Venice Beach/California (bis 2016 Snapchat Inc.) an die New Yorker Börse.

Ähnlich wie auch andere sozialen Mediendienste steht Snapchat wegen des Datenschutzes, der Sicherheit und den Geschäftsbedingungen in der Kritik. So lässt sich das Unternehmen beispielsweise das Recht einräumen, Bilder, Namen und Stimmen der Nutzer unbefristet in sämtlichen Medien zu verwenden.

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