Markenlexikon

Siku

Ursprungsland: Deutschland

RICHARD SIEPER, GIEßEREI: Der Schlosser Richard Sieper (1880 – 1941) gründete 1921 in seinem Wohnhaus in Lüdenscheid eine kleine Einmann-Gießerei, die Gebrauchsartikel wie Aluminiumbestecke, Aschenbecher, Etuis sowie Tabak- und Puderdosen produzierte. In den 1930er Jahren, als Richard Siepers Söhne Kurt (1909 – 2006) und Werner (1904 – 1981) in das Unternehmen eintraten, wurde das Sortiment um Militärabzeichen erweitert (Abzeichen, Knöpfe, Koppelschlösser, Orden). 1937 errichtete die Firma in der Nähe des Familienwohnhauses, das bis dahin als einzige Produktionsstätte gedient hatte, einen Neubau. Weitere Werke entstanden 1940 in Komotau/Sudetenland und 1943 in Hilchenbach-Müsen.

PLASTIKARTIKEL, PLASTIKSPIELWAREN, SIKU: In den 1940er Jahren begannen die Sieper Werke mit der Herstellung von Kleinmöbeln (Badezimmer-Spiegelschränke, Regale) aus Thermoplaste, nachdem bereits in den Jahren zuvor Kleinartikel (Sammelfiguren, Sportabzeichen) aus diesem neuen Werkstoff hergestellt worden waren. Die Serienfertigung von Spielzeug aus Kunststoff-Spritzguss (u.a. Bauernhöfe, Fahrzeugmodelle, Tiere, Westernfiguren) begann jedoch erst 1950. Der zu dieser Zeit eingeführte Markenname Siku setzt sich aus den Worten »Sieper« und »Kunststoff« zusammen. Viel Geld verdiente die Firma von 1950 bis 1954 mit den sogenannten Margarinefiguren, die im großen Stil an Handels- und Nahrungsmittelkonzerne geliefert wurden. Dabei handelte es sich um kleine Sammelfiguren aus Polystyrol (insgesamt über 500 Varianten), die es beim Einkauf kostenlos als Werbegeschenk dazugab.

Die Fahrzeugmodelle aus Plastik wurden im Maßstab 1:60 gefertigt, damit möglichst viel Details eingearbeitet werden konnten. Da es keine Unterstützung von der Autoindustrie gab, konnte man zunächst nur Fahrzeuge zur Vermessung verwenden, die irgend jemand aus der Belegschaft tatsächlich besaß oder die ein Fahrzeughändler zur Verfügung stellte. Einige Modelle wurden auch nur anhand von Bildern in Zeitungen und Zeitschriften nachgebaut. Bis Anfang der 1960er Jahre gab es bereits rund 200 Plastikmodelle (Fahrzeuge, Flugzeuge), außerdem diverse Zubehörartikel (Bäume, Figuren, Gebäude, Schilder, Zäune).

ZINKDRUCKGUSS-MODELLE: Nachdem der britische Konkurrent Lesney Products (Matchbox) seine robusten Zinkdruckguss-Modelle auch in Deutschland auf den Markt gebracht hatte, brach der Umsatz von Plastikmodellen ein. Daher begann Siku 1963 ebenfalls mit der Produktion von Zinkdruckguss-Modellen im Maßstab 1:60 (später auch 1:55 und 1:50). Die Fertigung von Plastikspielzeug wurde nach und nach verringert und 1969 ganz eingestellt. Ab den 1970er Jahre gehörte Siku neben Matchbox, Mattel (Hot Wheels), Corgi, Politoys/Polistil, Majorette und Dinky Toys zu den weltweit führenden Herstellern von Modellfahrzeugen aus Metall. Die Siku-Modelle waren allerdings detailgetreuer als die Modelle anderer Marken (Corgi einmal ausgenommen). Ein großer Erfolg wurde ab 1984 die Farmer-Serie im Maßstab 1:24 und 1:32 (Traktoren, Landmaschinen).

WIKING MODELLBAU: 1984 erwarben die Sieper Werke die Berliner Firma Wiking Modellbau, die detailgetreue Fahrzeug-, Flugzeug- und Schiffsmodelle aus Kunststoff in den Maßstäben 1:87 und 1:160 fertigte. In den 1980er Jahren expandierten die Sieper Werke mit ihren Produkten in die ganze Welt. Dadurch mussten Teile der Produktion ins Ausland verlagert werden. 1992 entstand ein Werk in Hongkong, 1993 und 1995 folgten zwei weitere in Breslau/Wrocław (Polen) sowie Złotoryja (Polen). Seit 2007 ist das Unternehmen auch mit einer Produktionsstätte in China vertreten.

SORTIMENT: Das Sortiment von Siku umfasst Spielzeugmodelle sowie Zubehör aus Metall und Kunststoff in verschiedenen Maßstäben und zu verschiedenen Themen (Baustelle, Landwirtschaft, Racing, Rettung, Stadt, Sonderfahrzeuge). Außerdem gibt es seit 2004 funkferngesteuerte Modelle. Neben der Hauptmarke Siku gehören dem Unternehmen noch die Marken Wiking und Toddys by Siku (Spielzeug für Kinder ab 18 Monaten). Viele ältere Modellfahrzeuge von Siku, vor allem Werbemodelle, von der nur eine geringe Stückzahl gefertigt worden ware, oder limitierte Sondermodelle, gelten heute als begehrte Sammlerobjekte. Ein großer Teil aller jemals von Siku hergestellten Modelle (24.000 Exemplare) ist im Siku-Modellautomuseum in Stadtlohn dauerhaft ausgestellt. Das Unternehmen befindet sich bis heute im Besitz der Gründerfamilie.

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