Markenlexikon

Rak Records

Ursprungsland: Großbritannien

MICKIE MOST: Mickie Most (1938 – 2003), der eigentlich Michael Peter Hayes hieß, begann seine Karriere im Musikgeschäft zunächst als Sänger. In den späten 1950er und frühen 1960er Jahren tingelte er mit verschiedenen Bands durch Großbritannien und Südafrika, sang Chuck-Berry-Titel nach und nahm für Decca einige Singles auf. 1963 kehrte er nach London zurück und wurde Produzent, u. a. für The Animals, Donovan, Herman‘s Hermits, Lulu, Jeff Beck und Nancy Sinatra. Einer seiner größten Erfolge war 1964 die Produktion des Animals-Songs »The House Of The Rising Sun«.

RAK RECORDS: 1969 etablierte er sein eigenes Label Rak Records (manchmal auch RAK Records geschrieben) und den Musikverlag Rak Publishing. Der Name kam von einer aus den USA stammenden Verkaufsmethode (Rack Jobbing), eine Art Direktverkauf, wobei – in diesem Falle die Schallplatten – nicht über Musikgeschäfte verkauft, sondern direkt in Supermärkten oder an Tankstellen in Display-Racks aufgestellt wurden. Genau diese Tätigkeit hatte er nach seiner Rückkehr aus Südafrika kurzzeitig ausgeübt. Das »c« aus dem »Rack« ließ er wegfallen, weil es ihm zu hart klang. Neben noch vollkommen unbekannten Bands und Interpreten wie Hot Chocolate, New World, Kenny, Suzi Quatro, Exile, Racey und Mud holte Mickie Most auch Top-Musiker wie Alex Korner, Donovan oder Chris Spedding zu Rak.

EXILE, KENNY, MUD, SMOKIE, SUZI QUATRO, RACEY: Als Songschreiber und Produzenten verpflichtete er den Engländer Nicholas Barry (Nicky) Chinn (* 1945) und den Australier Michael Donald (Mike) Chapman (* 1947). Chinn hatte sein Geld zuvor als Autohändler verdient, Chapman war Sänger der Band Tangerine Peel gewesen. Ab 1970 schrieben beide eine Serie von Hits für die Bands New World (1971 »Tom Tom Turnaround«, »Kara Kara«; 1972 »Sister Jane«) und The Sweet (1971 »Funny Funny«, »Co-Co«; 1972 »Little Willy«, »Wig-Wam Bam«, »Poppa Joe«; 1973 »Block Buster«, »Hell Raiser«, »The Ballroom Blitz«), die damals bei RCA unter Vertrag standen. Bei Rak setzten sie ihre Hitserie für Suzi Quatro (1973 »Can The Can«, »48 Cash«, »Daytona Demon«; 1974 »Devil Gate Drive«; 1978 »The Race Is On«, »If You Can’t Give Me Love«, »Stumblin‘ In«; 1979 »She’s In Love With You«), Mud (1973 »Dyna-Mite«; 1974 »Tiger Feet«, »The Cat Crept In«, »Rocket«), Smokie (1975 »If You Think You Know How To Love Me«, »Don’t Play Your Rock’n’Roll To Me«; 1976 »I‘ll Meet You At Midnight«, »Living Next Door To Alice«; 1977 »Lay Back In The Arms Of Someone«; 1978 »Oh Carol«), Racey (1978 »Lay Your Love On Me«; 1979 »Some Girls«) und Exile (1978 »Kiss You All Over«, »You Thrill Me«) fort.

HOT CHOCOLATE, KIM WILDE: Ebenso erfolgreich wie Chinn/Chapman waren auch die Hot-Chocolate-Songschreiber-Team Errol Brown/Tony Wilson (1977 »Brother Louie«, 1974 »Emma«, 1975 »You Sexy Thing« (1975), 1978 »Every 1's a Winner«) sowie Ricky und Marty Wilde, die die Songs für Kim Wilde schrieben (1981 »Kids In America«, »Chequered Love«, 1982 »Cambodia«, »View From A Bridge«, 1983 »House Of Salome«). Rak Records gehörte mit Stars wie Exile, Hot Chocolate, Kenny, Kim Wilde, Mud, New World, Smokie und Suzi Quatro in den 1970er Jahren neben RSO Records (Bee Gees) und Casablanca Records (Donna Summer, Kiss, Lipps Inc., Village People) zu den weltweit erfolgreichsten Plattenfirmen.

RAK STUDIO, RAK PUBLISHING, EMI: Ab den 1980er Jahren konzentrierte sich Mickie Most auf den Musikverlag Rak Publishing, dem die Verlagsrecht an zahlreichen Titeln von Hot Chocolate, Steve Harley/Cockney Rebel, Harpo, John Miles, Joan Jett und Kim Wilde gehören, und auf das 1976 eröffnete Rak-Aufnahmestudio in London. Beide Firmen existieren bis heute. Den letzten Star, den Rak hervorbrachte, war Kim Wilde. 1983 verkaufte Mickie Most den Rak-Katalog mit allen bis dahin erschienenen Platten an den langjährigen Vertriebspartner EMI Records, behielt aber den Firmennamen Rak Records sowie das Rak Studio und den Musikverlag Rak Publishing.

STEVE HARLEY: 1984 nahm Mickie Most Steve Harley von Cockney Rebel unter Vertrag, dessen Single »Irresistible« 1985 bei Rak erschien, doch das bereits angekündigte Harley-Solo-Album »El Gran Senor«, das Songs wie »Star For A Week (Dino)«, »Rain in Venice« und »The Lighthouse« enthalten sollte, wurde nicht mehr veröffentlicht. 1988 löste Mickie Most das Plattenlabel nach einigen weiteren erfolglosen Platten, die von PRT Records vertrieben worden waren, auf. Die Steve-Harley Songs kamen erst 1992 auf dem Album »Yes You Can« (CTE) heraus.

RAK RECORDS (2): 2014 kam es zu einer Reaktivierung des Labels Rak Records durch das Rak Studio. In den Rak Studios haben im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche namhafte Musiker an ihren Platten gearbeitet, u.a. ABC, Adam and the Ants, Alison Moyet, Barry Manilow, Big Country, Bonnie Tyler, Boy George, Chris Rea, David Bowie, Depeche Mode, Dionne Warwick, Duran Duran, Ed Sheeran, Erasure, Gary Numan, Hot Chocolate, Icehouse, Kirsty McColl, New Order, Paul McCartney, Pet Shop Boys, Pink Floyd, Shakira, Simply Red, Sinead O'Connor, Status Quo, Steve Harley, Sting, The Cure, The Moody Blues, The Pogues, The Police, The Who, Thin Lizzy, Thompson Twins, Ultravox, Whitney Houston und Yes.

RAK KATALOG: Der alte Rak-Katalog wird heute von Warner Music (Parlophone) und Chrysalis (Suzi Quatro) vermarktet. Die Universal Music Group, die die EMI Group 2012 übernommen hatten, musste einige Labels 2013 aus kartellrechtlichen Gründen verkaufen (Chrysalis, Parlophone, Regal-Zonophone). Die früheren EMI-Label Chrysalis und Parlophone besaßen auch die Vermarktungrechte an den alten Rak-Aufnahmen. Die Verlagsrechte an den alten Songe liegen weiterhin bei Rak Publsihing.

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