Markenlexikon

Philles Records

Ursprungsland: USA

Der Songwriter, Gitarrist und Background-Sänger Harvey Phillip (Phil) Spector (1939 – 2021) gründete 1958 die Band The Teddy Bears, die noch im Gründungsjahr mit dem von ihm selbst verfassten Song »To Know Him Is To Love Him« einen Nr.1-Hit landete. Trotz dieses Erfolges löste sich Band schon 1959 wieder auf. In den Gold Star Studios am Santa Monica Boulevard in Hollywood lernte er während der Aufnahmen mit den Teddy Bears den Vertriebs- und Promotion-Manager Lester Sill kennen, der seit Jahren mit den Songwritern Jerry Leiber, Mike Stoller und Lee Hazlewood zusammenarbeitete. Spector produzierte anschließend mehrere Platten für das Label Trey Records, das Sill und Hazlewood 1959 gegründet hatten. Außerdem war er als Sessionsmusiker und Co-Autor von Ben E. King's Top-10-Hit »Spanish Harlem« (mit Jerry Leiber) tätig. Die ersten Produktionen waren noch keine Hits, aber immherin deuteten sich 1960 bei Kell Osbornes »The Bells Of St. Mary's« bereits die ersten Vorboten einer neuen Produktionstechnik (hohe Sounddichte, Einsatz von Audioeffekten, Überorchestrierung) an, die Phil Spector bald darauf berühmt machen sollte (Wall of Sound).

Nachdem Sill und Hazlewood ihr Label Trey aufgelöst hatten, gründeten Spector und Sill 1961 das Label Philles Records; der Name ergab sich aus den beiden Vornamen der Inhaber (Phil + Lester). Philles Records nahm noch im Gründungsjahr die Mädchen-Band The Crystals unter Vertrag, die zwischen 1961 und 1963 mit Titeln wie »There’s No Other (Like My Baby)«, »Uptown«, »He’s A Rebel«, »Then He Kissed Me« und »Da Doo Ron Ron (When He Walked Me Home)« die Charts stürmten. 1963 verpflichtete Phil Spector mit den Ronettes eine weitere Mädchen-Band, die wieder mehrere Titel auf vorderen Chart-Positionen platzieren konnten (»Be My Baby«, »Baby, I Love You«, »The Best Part Of Breakin' Up«, »Walking In The Rain«). 1964 nahm Philles Records das Gesangsduo Righteous Brothers unter Vertrag, dem ebenfalls mehrere vordere Hitparaden-Plätze gelangen (»You’ve Lost That Lovin’ Feelin«, »Unchained Melody«, »Ebb Tide«).

Sämtliche Aufnahmen des Wall of Sound fanden in den Gold Star Studios statt. Die Arrangements stammten von Jack Nitzsche (der Autor von »Needles And Pins«), Toningenieur war Larry Levine. Spector schrieb meist zusammen mit Jeff Barry und Ellie Greenwich mehrere Titel wie »There's No Other (Like My Baby)«, »Da Doo Ron Ron«, »Then He Kissed Me«, »Be My Baby« und »River Deep – Mountain High«.

Ab Mitte der 1960er Jahre ließ der Erfolg der Phil-Spector-Produktionen merklich nach. Einer der letzten Wall-of-Sound-Titel war 1966 »River Deep – Mountain High« von Ike & Tina Turner. Er floppte allerdings in den USA, dafür konnte er sich in Europa gut platzieren, wo die Single von London Records vertrieben wurde. 1999 nahm die The Recording Academy den Song in die Grammy Hall of Fame auf. Die beiden Musikzeitschriften Rolling Stone und New Musical Express führen den Titel in ihren Listen 500 Greatest Songs of All Time (RS auf Platz 33, NME auf Platz 37). The Rock and Roll Hall of Fame nahm ihn in ihre Liste 500 Songs That Shaped Rock and Roll auf.

Nachdem auch weitere Platten von Ike & Tine Turner die Charts verfehlt hatten, löste Spector Philles Records 1967 schließlich auf. Seinen früheren Partner Lester Sill hatte er bereits 1962 ausgezahlt.

Anschließend arbeitete Phil Spector als freier Produzent. Er produzierte u.a. Platten für die Beatles (1969 »Let It Be«), John Lennon (1970 »Imagine«, 1971 »Power To The People«, »Happy Xmas (War Is Over)«, 1972 »Some Time In New York City«, 1973 »Rock 'n' Roll«), George Harrison (1970 »All Things Must Pass«, »My Sweet Lord«, 1971 »The Concert For Bangla-Desh«), Dion DiMucci (1975 »Born To Be With You«), Leonard Cohen (1977 »Death Of A Ladies«), The Ramones (1979 »End Of The Century«) und Starsailor (2002 »Silence Is Easy«). Von 1974 bis 1977 betrieb er gemeinsam mit Warner Bros. Records das Label Warner-Spector Records.

2009 wurde der langjährige Waffennarr Spector, der laut Aussage der Ramones selbst im Studio immer Waffen dabei hatte, von einem Gericht in Los Angeles wegen Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von 19 Jahren verurteilt, nachdem er 2003 auf seinem Anwesen in Alhambra/California die Schauspielerin Lana Clarkson versehentlich erschossen hatte.

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