Markenlexikon

Northrop-Grumman

Ursprungsland: USA

NORTHROP: Der Flugzeugkonstrukteur John (Jack) Knudsen Northrop (1895 – 1981) hatte bis 1928 für Lockheed gearbeitet und dort u.a. das berühmte Rekordflugzeug Vega entworfen. Anschließend gründete er zusammen mit Ken Jay in Burbank/California die Avion Corporation. Mit dem siebensitzigen Transport- und Passagierflugzeug Alpha (1930 – 1931) konnte Northrop an seine vorangegangenen Erfolge anknüpfen. Bereits zu dieser Zeit entwickelte Jack Northrop sein erstes Nurflügelflugzeug (EX-1), von dem allerdings nur ein Prototyp gebaut wurde. Das Konzept des Nurflügels geht auf die beiden französischen Ingenieure Alphonse Pénaud und Paul Gauchot zurück, die 1876 ein Patent für solch ein Fluggerät erhielten. Bis jedoch überhaupt ein motorbetriebenes Flugzeug vom Boden abhob, vergingen allerdings noch viele Jahre. Die ersten Flying Wings, die tatsächlich flogen, entstanden in den 1910er Jahren (René Arnoux, John William Dunne), von der Serienreife waren sie aber noch weit entfernt.

1929 kam die Avion Corporation – nun als Northrop Aircraft Corporation – unter die Kontrolle von William Boeings Holdinggesellschaft United Aircraft and Transport Corporation, die Northrop und Stearman Aircraft zusammenschloss und den Firmensitz nach Wichita/Kansas verlegte. 1932 gründeten Northrop und Donald Willis Douglas von der Douglas Aircraft Company in El Segundo/California die Northrop Corporation neu; Douglas besaß an dem Unternehmen 51 Prozent der Anteile. In dieser Zeit entstanden die beiden sehr erfolgreichen Modelle Northrop Gamma (1932), ein einmotoriges Transportflugzeug, und das ebenfalls einmotorige Passagierflugzeug Northrop Delta (1933). 1937 wurde Northrop von Douglas vollständig übernommen und bald darauf in die El Segundo Division of Douglas Aircraft umgewandelt.

1939 gründete Jack Northrop zusammen mit Moye Stephens, Gage H. Irving und La Motte Cohu in Hawthorne/California zum dritten Mal eine neue Firma. Northrop Aircraft Inc. (ab 1959 Northrop Corporation) widmete sich nun nur noch der Entwicklung von Militärflugzeugen. In den 1940er und 1950er Jahren führte Northrop die Entwicklung der Flying Wings mit zahlreichen Prototypen, Test- und Forschungsflugzeugen fort (u.a. 1940 N-1, 1942 N-9M, 1946 YB-35, 1947 YB-49), doch die technischen Probleme erwiesen sich zu dieser Zeit noch als unlösbar. 1954 stellte Northrop die Entwicklung schließlich ein und widmete sich wieder Militärmaschinen herkömmlicher Bauart. Zu den wichtigsten Northrop-Flugzeugen zählen der Nachtjäger P-61 Black Widow (1942 – 1946; 706 Exemplare), der Abfangjäger F-89 Scorpion (1948 – 1958; 1948 Exemplare), der Strahltrainer T-38 Talon (1959 – 1972; 1187 Exemplare) und die Leichtbau-Jagdflugzeuge der F-5-Serie (1959 – 1987; 2238 Exemplare), die in vielen Landern der Welt zum Einsatz kam. Der F-5-Nachfolger F-20 Tigershark (Erstflug 1982) wurde nur erprobt, aber nie in Serie gebaut, da er dem Konkurrenzmodell General Dynamics F-16 leistungsmäßig unterlegen war.

B-2 SPIRIT: Als die US Air Force 1978 einen Nurflügel-Tarnkappenbomber (Stealth-Bomber) – offiziell hieß das Programm »Advanced Technology Bomber« – forderte, war Northrop durch seine früheren Erfahrungen auf diesem Gebiet die erste Wahl. An der Ausschreibung beteiligte sich auch ein Konsortium aus Lockheed und Rockwell International. 1981 wurde der Entwurf von Northrop zum Sieger erklärt. Zu den Subauftragnehmern gehören die Boeing Military Airplanes Company, die Vought Aircraft Company, die Hughes Radar Systems Group und die General Electric Aircraft Engine Group. Der Prototyp der Northrop B-2 Silver Bullet (ab 1994 B-2 Spirit) absolvierte seinen Erstflug im Juli 1989. Zunächst wollte die USAF 188 Flugzeuge beschaffen. Wegen des enorm hohen Stückpreises von 1,9 Milliarden US-Dollar wurde der Bedarf jedoch immer weiter reduziert. Letztlich lieferte Northrops B-2 Divison in Palmdale/California und Pico Rivera/California von 1989 bis 1997 nur 21 B-2 an die USAF. Die erste B-2 wurde im Dezember 1993 in Dienst gestellt. Die Maschine hat eine maximale Reichweite von 9600 Kilometern und ist aufgrund ihrer Stealth-Eigenschaften (spezielle Form der Oberflächen, dunkelgraue Spezialfarbe, Kühlung des Abgasstrahls, kein Kondensstreifen) für elektromagnetische Strahlung (Radar) und Infrarotstrahlung weitestgehend unsichtbar (die Radarsignatur entspricht in etwa der Größe einer Taube). Die B-2 ist das teuerste Flugzeug, das jemals entwickelt wurde. Im März 1999 flog die B-2 ihren ersten offiziellen Einsatz über Jugoslawien. Die 21 B-2 sind in der Whiteman Air Force Base in Missouri stationiert.

Zwischen 1992 und 1994 übernahm Northrop den Flugzeugteilehersteller Vought, der zuvor zum Rüstungskonzern LTV (Ling-Temco-Vought) gehört hatte. 1994 schloss sich die Northrop Corporation mit der Grumman Corporation zur Northrop-Grumman Corporation zusammen.

GRUMMAN: Die Grumman Aircraft Engineering Corporation wurde 1929 von Leroy Randle Grumman (1895 – 1982), Leon (Jake) Swirbul (1898 – 1960), William Schwendler (1904 – 1978), E. Clint Towl und Edward Poor in Baldwin auf Long Island/New York gegründet. Das erste Flugzeug von Grumman war der Doppeldecker FF-1/2 (1931 – 1934) mit einziehbarem Fahrwerk, der von der US Navy eingesetzt wurde. Das Unternehmen beschäftigte sich anfangs vor allem mit der Konstruktion von Flugbooten und Amphibienflugzeugen (1933 – 1946 JF Duck, 1947 – 1961 HU-16 Albatross), später auch mit Jagd- und Torpedobombern (u.a. 1937 – 1945 F4F Wildcat, 1941 – 1945 TBF Avenger, 1942 – 1945 F6F Hellcat, 1943 – 1946 F7F Tigercat, 1960 – 1990 A-6 Intruder) sowie Frühwarn- und Aufklärungsflugzeugen (1959 – 1969 OV-1 Mohawk, 1960 – 2009 E-2 Hawkeye). 1958/1959 entwickelte Grumman mit der Grumman G-159 Gulfstream I erstmals ein zweimotoriges Turboprop-Geschäftsreiseflugzeug, das zwischen 14 und 24 Passagiere befördern konnte (dieser Bereich wurde 1978 verkauft). In den späten 1960er Jahren entwickelte und baute Grumman die Mondlande-Module der Apollo-Raumschiffe, mit denen die US-Astronauten auf dem Mond landeten. 1987 erwarb Grumman von Fairchild das A-10-Programm (Kampfflugzeug zur Luftnahunterstützung).

F-14 TOMCAT: Ende der 1960er Jahre benötigte die US Navy einen Ersatz für das seit 1961 in Dienst befindliche trägergestütze Jagdflugzeug McDonnell F-4B Phantom II. Zunächst favorisierte das US-Verteidigungsministerium das bereits 1962 in Auftrag gegebene Schwenkflügel-Mehrzweckkampfflugzeug General Dynamics F-111, von dem Grumman eine Marineversion entwickeln sollte (F-111B). Die Beschaffung dieses Typs stieß jedoch bei der US Navy auf erheblichen Widerstand. Admiral Thomas (Tom) Connelly, dem die spätere F-14 ihren Beinamen verdankt (»Tom« für Thomas und »Cat« war ein Namensbestandteil vieler früherer Grumman-Flugzeuge), bezeichnete die F-111B während einer Kongressdiskussion, an der auch der damalige Verteidigungsminister Robert McNamara teilnahm, wegen ihrer Größe und ihres Gewichts als ungeeignet für den Einsatz auf Flugzeugträgern. Im Sommer 1968 wurde die Weiterentwicklung der F-111B nach nur sieben gebauten Maschinen schließlich beendet. Kurz darauf schrieb die US Navy erneut einen Flottenabfangjäger aus. An dieser Ausschreibung beteiligten sich neben Grumman und General Dynamics auch LTV, McDonnell-Douglas und North American-Rockwell. Grumman, seit jeher ein Hersteller erfolgreicher Wasserflugzeuge und Marinejäger, machte mit seinem Entwurf G303 im Januar 1969 das Rennen. Da durch das gescheiterte F-111B-Projekt schon viel Zeit verstrichen war, absolvierte das erste von zwölf YF-14A-Entwicklungsflugzeugen bereits im Dezember 1970 seinen Jungfernflug. Wenige Tage später stürzte dieses Flugzeug jedoch bei einem erneuten Testflug ab. Im Oktober 1972 wurden die ersten Serienmaschinen an die Naval Air Station in Miramar/California ausgeliefert. Der zweistrahlige und zweisitzige Schwenkflügeljet F-14 Tomcat wurde bis zu seiner Ausmusterung 2006 von der US Navy als Luftüberlegenheitsjäger, zur Flottenverteidigung und für Präzisionsschläge gegen Bodenziele eingesetzt. Von den insgesamt 712 gebauten F-14 erhielt die Iranische Luftwaffe 79 Exemplare; der Iran, damals noch unter der Regentschaft des Schahs, war neben der USA das einzige Land, das diesen Typ einsetzte.

Northrop Grumman
Northrop Grumman

WESTINGHOUSE DEFENSE, LITTON INDUSTRIES, TRW: Nach dem Zusammenschluss von Northrop und Grumman (1994) und der Übernahme von LTV (1992 – 1994) machte Northrop-Grumman zwischen 1996 und 2002 mehrere weitere bedeutende Akquisitionen im Bereich der Verteidigungsindustrie: 1996 Westinghouse Defense Electronics (Verteidigungsparte von Westinghouse Electric), 1997 Logicon Corporation, 1999 Teledyne Ryan Aeronautical, 2001 Aerojet General Electronics and Information Systems Group, Newport News Shipbuilding, Litton Industries (Avondale Shipyard, Ingalls Shipbuilding, Sperry Marine) und 2002 TRW (Luft- und Raumfahrt, Fahrzeugzulieferer). 2011 gliederte Northrop-Grumman seine Schiffbausparte Northrop-Grumman Shipbuilding (Avondale Shipyard, Ingalls Shipbuilding, Newport News Shipbuilding) mit Werften und Werken in Newport News/Virginia, Pascagoula/Mississippi, New Orleans/Louisiana, Virginia Beach/Virginia, San Diego/California, Gulfport/Mississippi und Tallulah/Louisiana aus dem Konzern aus; das Unternehmen firmiert nun als Huntington Ingalls Industries.

B-21 RAIDER: Ende 2015 vergab das US-Verteidigungsministerium an Northrop-Grumman den Auftrag für die Entwicklung und den Bau eines neuen Langstreckenbombers (B-21 Raider), der die aktuellen Modelle Boeing B-52 (Erstflug 1952), Rockwell B1 Lancer (Erstflug 1974) und Northrop B2 (Erstflug 1989) ablösen soll. Northrop-Grumman setzte sich damit gegen ein Bündnis von Lockheed-Martin und Boeing durch. Die B-21 ist wie die B-2 als Nurflügelflugzeug konzipiert.

ORBITAL ATK: 2018 erwarb Northrop-Grumman den Luft- und Raumfahrkonzern Orbital ATK, der auf die frühere Honeywell-Rüstungssparte Allient Techsystems, die Orbital Sciences Corporation (inkl. der früheren Space and Defense von Fairchild Industries) und Thiokol (vormals Morton-Thiokol; Hersteller der Space-Shuttle-Feststoff-Booster) zurückgeht. Dieser Bereich firmiert nun als Northrop-Grumman Innovation Systems. Das in Dulles/Virginia ansässige Unternehmen mit Werken in Chandler/Arizona, Dulles/Virgina und Baltimore/Maryland entwickelt und produziert Raketen (Antares, Minotaur, Omega, Pegasus), Raketentriebwerke (Castor, GEM, SLS für das Artemis-Programm), Satelliten, Transportraumschiffe (Cygnus), Munition und militärische Feuerwaffen.

PRODUKTE: Northrop-Grumman produziert heute u.a. elektronische Systeme (Radar, Navigation, Kommunikation, Kontrollsysteme, Weltraumteleskope, Biometrische Identifikationssysteme) für das Militär und die Raumfahrt, Präzisionswaffen, Kampfflugzeuge, unbemannte Flugzeuge und Hubschrauber (RQ-4 Global Hawk, MQ-8 Fire Scout, UCAS-D, RQ-180) sowie militärische Raketen.

STANDORTE: Die wichtigsten Standorte der Northrop-Grumman Corporation befinden sich in Falls Church/Virginia (Hauptsitz), Los Angeles/California, Redondo Beach/California, Linthicum/Maryland, McLean/Virginia, Herndon/Virginia, Bethpage/New York und St. Augustine/Florida.

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