Markenlexikon

Nestlé

Ursprungsland: Schweiz

ANGLO SWISS CONDENSED MILK COMPANY: Die Entstehung dieses Konzerns hängt eng mit der Entwicklung der Kondensmilch zusammen. 1835 hatte sich der englische Anwalt William Newton als Erster ein Verfahren zur Herstellung von Kondensmilch patentieren lassen. Das Patent blieb jedoch ungenutzt. 1849 entwickelte der amerikanische Chemieprofessor Ebenezer Norton Horsford (1818 – 1893), der später mit der Herstellung und Vermarktung von Justus Liebigs' Backpulver in den USA ein Vermögen verdiente, im Prinzip das gleiche Verfahren. 1856 brachte Gail Borden Jr. (1801 – 1874), ein ehemaliger Assistent Horsfords, der das Verfahren 1853 noch einmal verbessert hatte, erstmals Kondensmilch auf den US-Markt. Zehn Jahre später hielt die Kondensmilch auch in Europa Einzug. 1866 gründeten die amerikanischen Brüder George und Charles Page die Anglo Swiss Condensed Milk Company und errichteten im Schweizer Ort Cham am Zuger See das erste Kondensmilchwerk Europas. Ab 1872 trat dieses Unternehmen unter dem Markenzeichen Milchmädchen auf. Zunächst wurde das durch Vakuumkondensation hergestellte haltbare Milchkonzentrat als Muttermilchersatz und als eiweißreicher Muntermacher verwendet. Bald erkannte man jedoch, dass sich Kondensmilch auch als Komponente für Instantprodukte hervorragend eignete.

NESTLÉ FARINE LACTÉE: Besonders erfolgreich wurde damit der in Frankfurt am Main geborene Apotheker Heinrich Niestle (1814 – 1890), der später in die Schweiz ging und 1843 in Vevey am Genfer See eine Drogerie eröffnete, wo er allerlei selbst hergestellte Produkte wie Senf, Essig, Likör, Mineralwasser, Kunstdünger, Stärkemittel und Flüssiggas für Straßenlampen verkaufte. Da in diesem Teil der Schweiz hauptsächlich französisch gesprochen wird, nannte er sich fortan Henri Nestlé. 1867 brachte Nestlé das von ihm erfundene »Kindermehl« (Farine Lactée) auf den Markt, ein Ersatzstoff für die Muttermilch, der aus getrockneter Milch, gemälztem Getreide und Zucker hergestellt wurde. Diese künstliche Babynahrung, die der hohen Säuglings- und Kindersterblichkeit entgegenwirken sollte, entwickelte sich trotz anfänglicher Skepsis seitens der Ärzte schnell zum ersten großen Erfolg des Unternehmens.

NESTLÉ, PETER-CAILLER-KOHLER, SAROTTI: Eine weitere Anwendungsmöglichkeit ergab sich 1875, als Daniel Peter, der Schwiegersohn des Schokoladenfabrikanten François-Louis Cailler (er hatte 1819 in Corsier bei Vevey die erste Schweizer Schokoladenfabrik errichtet), dem Kakao Kondensmilch beimischte und so die Milchschokolade schuf. Auch Nestlé stellte ab 1904 eigene Milchschokolade her. Alle drei Unternehmen schlossen sich später zusammen: zunächst 1905 Nestlé und Anglo Swiss zur Nestlé & Anglo-Swiss Condensed Milk Company und 1929 wurde auch die Peter-Cailler-Kohler Chocolate Suisse AG ein Teil des Nestlé-Konzerns. Zur gleichen Zeit beteiligte sich Nestlé mit 50 Prozent an der Sarotti AG aus Berlin, die 1852 von Heinrich Ludwig Neumann gegründet worden war. Daraufhin wurden im Sarotti-Werk in Berlin-Tempelhof auch Nestlé-Produkte hergestellt. Der kinderlose Henri Nestlé hatte seine Firma bereits 1874 an die drei Schweizer Geschäftsleute Gustav Marquis, Jules Monnerat und Pierre-Samuel Roussy verkauft, die den Familienbetrieb in eine Aktiengesellschaft umwandelten; 1890 starb er 75-jährig in Montreux.

MAGGI: 1947 schloss sich die Nestlé & Anglo-Swiss Condensed Milk Co. mit der Alimentana S.A. zur Nestlé Alimentana S.A./AG aus Kempttal (seit 1977 Nestlé S.A.) zusammen. Alimentana war 1934 aus der von Julius (Jules) Michaël Johannes Maggi 1872 gegründeten Firma J. Maggi & Cie. hervorgegangen, die u.a. kochfertige Suppen und Suppenwürze herstellte.

NESCAFÉ: Der nun folgende Aufstieg zum Weltkonzern hing jedoch nicht mit den Milchprodukten oder der Schokolade zusammen, und er begann auch nicht in der Schweiz, sondern im »Kaffeeland« Brasilien. Die ganzen 1920er Jahre hindurch war dort regelmäßig Kaffee verbrannt oder ins Meer geschüttet worden, um das weitere Sinken der Kaffeepreise zu verhindern. 1930 fragte das Brazilian Coffee Institute bei Nestlé nach, ob man den Rohkaffee nicht zu haltbarem Instantkaffee verarbeiten könne. Schließlich hatte Nestlé auch schon Milch erfolgreich pulverisiert und Verfahren zur Herstellung von löslichem Kaffee waren seit längerer Zeit bekannt. Bereits 1901 hatte der japanische Chemiker Satori Kato in den USA erstmals löslichen Kaffee entwickelt und 1906 begann der in Guatemala lebende Brite George Constant Washington, ebenfalls ein Chemiker, mit der Massenproduktion (Red E Coffee). Der haltbare und schnell zuzubereitende Instantkaffee war vor allem für Soldaten gedacht, die fern der Heimat, im riesigen britischen Kolonialreich, ihren Dienst taten.

Dem Nestlé-Chemiker Max Rudolf Morgenthaler, der mit der Entwicklung betraut war, gelang es jedoch zunächst nicht, das Kaffeearoma zu erhalten. 1934 gab Nestlé das Projekt auf. Morgenthaler machte dennoch nach Feierabend zu Hause weiter. 1936 gelang es ihm schließlich, das Aroma durch Zugabe von Kohlenhydraten zu binden. 1938 brachte Nestlé den konservierten Kaffee unter dem Namen Nescafé erstmals auf den Markt. Nachdem Nescafé während des 2. Weltkriegs an US-Soldaten verteilt worden war, setzte sich das neue Produkt bald weltweit durch und wurde zur wertvollsten Marke des Nestlé-Konzerns. 1952 konnte auf die Zugabe von Kohlenhydraten verzichtet werden, sodass Nescafé seit dieser Zeit ausschließlich aus Kaffee besteht. 1966 kam der erste lösliche, gefriergetrocknete Kaffee von Nescafé auf den Markt. Bei gefriergetrocknetem Kaffee wird der Extrakt aus grob gemahlenem, geröstetem Kaffee und heißem Wasser sekundenschnell bei Temperaturen unter 40 Grad Celsius tiefgefroren und das gefrorene Wasser anschließend in Vakuumkammern verdunstet. Das Vakuum senkt den Siedepunkt des Wasser soweit, dass es selbst bei sehr tiefen Temperaturen verdunstet. Übrig bleibt ein lösliches Kaffeepulver, das anschließend leicht angefeuchtet wird, damit die einzelnen Partikel zu größeren Körnern zusammenbacken. Dieses aromaschonende, aber teure Verfahren wird vor allem bei hochwertigen Marken verwendet. Den ersten gefriergetrockneten Kaffee der Welt hatte der US-Nahrungsmittelkonzern General Foods (Baker's Chocolate, Birds Eye, Cefrisch, Gevalia, Hellmann's, Jell-O, Kaba, Kaffee HAG, Kool Aid, Log Cabin, Maxwell House, Minute Rice, Onko, Oscar Mayer, Post Cereals, Reis-Fit, Sanka, Tang, Yuban) 1964 in den USA unter dem Markennamen Maxim auf den Markt gebracht. Heute werden weltweit pro Sekunde rund 3000 Tassen Nescafé getrunken. Über 10 Prozent der gesamten Weltkaffeeproduktion werden zur Herstellung des Nescafés in über 30 Ländern verwendet.

NESTEA, NESQUICK: Nach dem Erfolg des Nescafés entwickelte Nestlé auch andere Instantprodukte, so u.a. 1948 das Teepulver Nestea Hot Tea Mix, das zunächst nur für die Zubereitung mit warmen Wasser geeignet war. 1956 kam die Kaltwasservariante Nestea Iced Tea Mix heraus. Eine weitere Variante war das heiß- und kaltlösliche, kakaohaltige Getränkepulver Nestlé Quick (Nesquick). Ab den 1980er Jahren wurde Nesquick zur Dachmarke ausgebaut, u.a. Nesquick Trinkfertig (1987), Nesquick Knusper-Frühstück (1993), Nesquick Eis (1995), Nesquick Snack (1996), Nesquick Schoko-Sirup (1997), Nesquick Joghurt (1999), Nesquick Zerealien (1999) und Nesquick Zauberkekse (2000).

Nestlé
Nestlé

INTERNATIONALE EXPANSION: In der Nachkriegszeit, als der Nescafé die Welt eroberte, erwarb Nestlé überall auf der Welt zahlreiche Unternehmen und wuchs so zu einem der weltgrößten Nahrungsmittelkonzerne heran.

DELASA, DREYER'S, GELATI-MOTTA, JOPA, SCHÖLLER, WARNCKE: Mit dem Kauf der deutschen Firma Jopa (Josef Pankofer) stieg Nestlé 1960 in die Speiseeis-Produktion ein. Dieser Bereich wurde später durch weitere Übernahmen wie Delasa aus Spanien (1963), Gelati Motta aus Italien (1993), Warncke Eiskrem (1994) und Schöller (2002; Schöller, Mövenpick-Eis) aus Deutschland, der Speiseeis-Sparte der finnischen Firma Valio (2004) und dem US-Speiseeishersteller Dreyer's Grand Ice Cream (2002/2006) noch ausgebaut. Ab 2001 vertrieb Nestlé auch die General-Mills-Eismarke Häagen Dazs in den USA (General Mills und Nestlé kooperieren seit Jahren, u.a. mit dem Jointventure Cereal Partners Worldwide). Bis zur Gründung des Jointventures Froneri im Jahr 2016 war Nestlé neben Unilever (Heartbrand, Langnese) einer der weltweit größten Hersteller von Speiseeis.

FINDUS: 1962 erwarb Nestlé die Findus International AB, den drei Jahre zuvor gegründeten internationalen Ableger der schwedischen Firma Frukt Industri (Findus), die tiefgefrorene Lebensmittel (Obst, Gemüse, Fisch) herstellte. Das Unternehmen war 1941 von dem norwegisch-schwedischen Schokoladenhersteller Freia-Marabou gegründet worden. 1963 etablierten Nestlé und Unilever (BiFi, Birds Eye, Iglo, Lätta, Langnese, Rama) in Italien ein Jointventure, das die Findus-Produkte dort vermarktete (diese Firma übernahm Unilever 1985 vollständig). 1999 verkaufte Nestlé die Marke Findus an die schwedische Investmentfirma EQT. Lediglich in der Schweiz behielt Nestlé die Markenrechte.

LIBBY'S: Zwischen 1963 und 1970 übernahm Nestlé die US-Firma Libby, McNeill & Libby, die Fleisch- und Fruchtkonserven herstellte. In den 1980er Jahren verkaufte Nestlé die Herstellungs- und Vermarktungsrechte für die Marke Libby's in mehreren Ländern an andere Unternehmen. Das Fleischgeschäft von Libby's wurde 1998 veräußert. 2006 gab Nestlé die Marke Libby's an mehrere Schweizer Geschäftsleute ab, die in Genf die Markenverwertungsgesellschaft Libby Brand Holding gründeten, die die Nutzungsrechte an der Marke Libby's an verschiedene Hersteller lizensiert.

VITTEL, PERRIER, S.PELLEGRINO, NESTLÉ WATERS: Henri Nestlé hatte bereits in seinem Geschäft in Vevey selbst abgefülltes Mineralwasser und Limonade verkauft. Aber erst mit einer Beteiligung an dem französischen Mineralwasserhersteller Société Générale des Eaux Minérales de Vittel aus dem gleichnamigen Ort in Lothringen, stieg Nestlé 1968 im großen Stil in das Mineralwassergeschäft ein. 1990 kaufte Nestlé auch die restlichen Vittel-Anteile. 1974 übernahmen die Schweizer die Blaue Quellen Heil- & Mineralbrunnen AG aus Rhens am Rhein (Harzer Grauhof-Brunnen Selters an der Lahn, Fürst Bismarck Mineralbrunnen Aumühle, Neue Selterser Mineralquelle Stockhausen). Durch eine feindliche Übernahme der Source Perrier S.A. kam Nestlé 1992 auch in den Besitz des zweiten großen französischen Mineralwasserabfüllers. Das vereinigte Unternehmen firmierte zunächst als Nestlé Sources International (NSI) und ab 1996 als Perrier Vittel S.A. Ebenfalls 1992 entstand die Mineralwassersparte Nestlé Waters. 1998 erwarb Nestlé den italienischen Mineralwasserhersteller Sanpellegrino S.p.A. (S.Pellegrino). Neben den Marken Perrier, Vittel und S.Pellegrino vermarktet Nestlé seit 1998 auch Mineralwasser unter eigenem Namen (Nestlé Pure Life, Nestlé Aquarel).

ALETE, BÄRENMARKE, CARO, THOMY: Durch die Übernahme der Ursina Franck AG (Alete, Bärenmarke, Caro-Landkaffee, Thomy) aus Bern konnte Nestlé 1971 die Bereiche Kindernahrung (Alete) und Kondensmilch (Bärenmarke) weiter stärken. Ursina-Franck war erst 1970 durch die Fusion der Schweizer Unternehmen Interfranck Holding AG (Caro-Landkaffee, Kathreiner, Thomy, Unifranck) und Ursina AG (Allgäuer Alpenmilch AG; Alete, Bärenmarke) entstanden.

STOUFFER: 1973 erwarb Nestlé den US-Tiefkühlkost-Hersteller Stouffer, der zuvor zum Mischkonzern Litton Industries gehört hatte. Dem 1898 von James Stouffer und seinem Sohn Abraham als Molkerei gegründeten Unternehmen gehörten auch Restaurants und Hotels, die Nestlé erst 1996 verkaufte.

L'ORÉAL: 1974 veräußerte Liliane Bettencourt (1922 – 2017), die Tochter des L'Oréal-Gründers Eugéne Schueller (1881 – 1957) 49 Prozent der Holdinggesellschaft Gesparal, die die Mehrheit der L'Oréal-Anteile hält, an Nestlé. Hintergrund war die Befürchtung der Erbin, der Konzern könnte verstaatlicht werden. Zu dieser Zeit gab es in einigen europäischen Ländern (Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien) zahlreiche Staatsunternehmen (u.a. Aérospatiale, Alfa-Romeo, British Aerospace, British Leyland, Elf-Aquitaine, ENI-Agip, Jaguar, Land-Rover, MV-Agusta, Renault, Rolls-Royce, Total). Nach der Fusion von L'Oréal und Gerber (2004) hält Nestlé noch einen Anteil von rund 23 Prozent an L'Oréal.

CHAMBOURCY: 1978 kaufte Nestlé den 1934 gegründeten Käse-, Joghurt- und Desserthersteller Chambourcy aus dem gleichnamigen französischen Ort in der Nähe von Paris.

CARNATION, FRISKIES, GLÜCKSKLEE, LÜNEBEST: 1985 erwarb Nestlé die US-amerikanische Carnation Corporation, die einerseits Milchprodukte (Carnation, Glücksklee, Lünebest) und andererseits Tiernahrung (Frieskies) herstellte. Die 1899 von Elbridge Amos Stuart in Kent/Washington gegründete Pacific Coast Condensed Milk Company hatte zunächst Kondensmilch unter dem Markennamen Carnation (dt. rote Nelke) hergestellt, war aber 1932 auch in die Produktion von Tierfutter eingestiegen (ab 1934 unter dem Markennamen Friskies). In Deutschland wurde die Carnation-Dosenmilch ab 1919 von Otto Lagerfeld, dem Vater des Modedesigners Karl Lagerfeld, verkauft. Lagerfeld führte 1923 mit Glücksklee auch eine eigene Marke ein. 1981 beteiligte sich Carnation/Glücksklee mit 50 Prozent an der Lünebest-Molkerei aus Lüneburg (die Marke Lünebest war 1962 für einen Fruchtjoghurt eingeführt worden).

DALLMAYR, HILLS BROTHERS: 1984/1985 beteiligte sich Nestlé mit 51 Prozent an der Alois Dallmayr Kaffee OHG aus München, die zur gleichen Zeit als Ausgründung aus dem Delikatessenhaus Dallmayr entstand, das seit 1933 auch eigenen Kaffee verkaufte. 2015 erwarb das Delikatessenhaus die Anteile von Nestlé wieder zurück. 1985 übernahm Nestlé auch den britischen Kaffeehersteller Hills Brothers Coffee.

HERTA: 1984/1986 stieg Nestlé durch die Übernahme der Firma Herta-Artland-Dörffler aus Herten in das Fleischgeschäft ein. Das Unternehmen geht einerseits auf eine 1897 von Ludwig und Hermine Schweisfurth in Herten (Nordrhein-Westfalen) gegründete Metzgerei zurück, andererseits auf eine 1902 von Oscar Dörffler in Berlin gegründete Fleischerei, die ihren Hauptsitz 1919 nach Bünde/Westfalen verlegt hatte. 2019 verkaufte Nestlé 60 Prozent der Herta GmbH an den spanischen Nahrungsmittelkonzern Casa Tarradellas.

NESPRESSO: 1986 brachte Nestlé das Portionskaffee-System Nespresso auf den Markt, das von dem Nestlé-Ingenieur Eric Favre entwickelt und bereits 1976 patentiert worden war. Der Erfolg stellte sich jedoch erst Anfang der 1990er Jahre allmählich ein. Nestlé selbst stellt nur die Kaffeekapseln her (in den Werken Avenches, Orbe, Romont), die Maschinen werden von dem Schweizer OEM-Hersteller Eugster/Frismag AG, dem weltweit größten Produzenten von Kaffeemaschinen, produziert und unter bekannten Marken wie Alessi, Saeco, Jura, De’Longhi, Koenig, Krups, Miele oder Siemens vertrieben. Der Erfolg des Nespresso-Systems führte dazu, dass auch andere Hersteller eigene Portionskaffeemaschinen entwickelten, die mit Kaffepads oder -kapseln arbeiten, u.a. 1997 Keurig (K-Cup), 2001 Douwe Egberts/Philips (Senseo) oder 2004 Kraft Foods (Tassimo) und Melitta (MyCup). Die Portionierungssysteme waren für die Hersteller eine Goldgrube, solange die Patente noch nicht abgelaufen waren und niemand sonst billigere Austauschkapseln herstellen durfte. Die Kaffeeportionen von den Originalherstellern sind wesentlich teurer als die gleiche Menge normaler Kaffee. Als Problem erwiesen sich auch die Kapseln selbst, die größtenteils aus energieintensivem Aluminium und/oder Kunststoff bestehen und lange Zeit kaum recycelt wurden. Lediglich die Pads einiger weniger Hersteller wie Senseo bestehen aus kompostierbarem Papier. Nestlé brachte 2005 mit Nescafé Dolce Gusto noch ein weiteres Kapselsystem auf den Markt.

AFTER EIGHT, CHOCO CROSSIES, KIT KAT, LION, NUTS, SMARTIES: Mit der Übernahme der britischen Rowntree-Mackintosh Ltd. aus York wurde Nestlé 1988 auch zu einem internationalen Schwergewicht bei der Produktion von Süßwaren. Zwar stellte Nestlé bereits seit 1904 Schokolade her, aber die Nestlé-Marken Cailler, Die Weisse und Sarotti waren eher regional von Bedeutung. Das 1969 aus dem Zusammenschluss von Rowntree (Aero, After Eight, Choco Crossies, Kit Kat, Polo, Smarties, Yorkies) und Mackintosh (Caramac, Mackintosh's Quality Street, Rolo) entstandene Unternehmen, dem seit 1979 auch die niederländische Nuts Chocoladefabriek B.V. aus Elst gehörte, hatte dagegen weltweit erfolgreiche Marken wie Aero, After Eight, Choco Crossies, Kit Kat, Lion, Nuts und Smarties im Portfolio. In Deutschland wurden Rowntree-Mackintosh (Hamburg) und Sarotti (Berlin) 1998 zur Nestlè Chocoladen GmbH zusammengeschlossen.

SAROTTI: Da die Produkte von Sarotti hauptsächlich in Deutschland verkauft wurden, Nestlé sich aber zunehmend auf internationale Marken konzentrierte (After Eight, Choclait Chips, Choco Crossies, Kit Kat, Smarties), verkauften die Schweizer die Marke Sarotti 1998 an die Kölner Stollwerck AG (Alpia, Alprose, Eszet, Gubor, Jacques, Sprengel, Walbaur), die seit 2002 zur Schweizer Barry Callebaut AG (Cacao Barry, Callbeaut, Van Houten) gehört.

BUITONI: 1988 erwarb Nestlé den italienischen Nudelhersteller Buitoni-Perugina, der 1827 von Giovambattista und Giulia Buitoni in Sansepolcro gegründet worden war. Das Unternehmen stellte in mehreren Ländern (u.a. Italien, Frankreich, Großbritannien, USA) Pasta, Spaghetti, Pizza, Saucen, Risotto, Gemüsekombinationen und Fischgerichte her.

CEREAL PARTNERS WORLDWIDE: 1991 gründeten der US-Nahrungsmittelkonzern General Mills (Betty Crocker, Cheerios, Chex, Cookie Crisp, Gold Medal, Pillsbury, Softasilk, Trix, Buggles, Yoplait) und Nestlé das Jointventure Cereal Partners Worldwide S.A. (Lausanne), das die Zerealien beider Partner für den internationalen Markt (außer Nordamerika) produziert und unter der Marke Nestlé vermarktet. Zu den CPW-Marken gehören u.a. Cheerios, Coco Shreddies, Cookie Crisp, Curiously Cinnamon, Frosted Shreddies, Honey Cheerios, Lion Cereal, Nesquik Cereal, Shredded Wheat und Shredded Wheat Bitesize.

SPILLERS, PURINA: Mit der Übernahme der Unternehmen Alpo Pet Foods (1995; USA), Spillers Petfoods (1998; Großbritannien) und Purina (2002; USA) wurde das Tierfuttergeschäft weiter ausgebaut. Nestlé (Alpo, Felix, Friskies, Spillers, Purina) gehört neben Mars (Cesar, Chappi, Frolic, Pal, Kitekat, Pedigree, Royal Canin, Sheba, Trill, Whiskas) zu den führenden Tierfutterherstellern der Welt.

BÄRENMARKE, GLÜCKSKLEE, LÜNEBEST: 2003 verkaufte Nestlé die Allgäuer Alpenmilch GmbH mit Milchwerken in Lüneburg (Schleswig-Holstein) und Polling-Weiding (Bayern) sowie den Marken Glücksklee, Lünebest und Bärenmarke an die Hochwald Nahrungsmittel-Werke GmbH. Damit zog sich Nestlé aus dem Geschäftsbereich Kondensmilch vollständig zurück.

CALIFORNIA PIZZA KITCHEN, DELISSIO, DIGIORNO, JACK'S, TOMBSTONE, WAGNER: 2004 beteiligte sich Nestlé mit 49 Prozent an der Wagner Tiefkühlprodukte GmbH, die neben Dr. Oetker und der Freiberger Lebensmittel GmbH (Alberto, Erno's) zu den führenden deutschen Herstellern von Tiefkühlpizzen gehörte. 2012 kam es zur vollständigen Übernahme. 2010 erwarb Nestlé das Tiefkühlpizza-Geschäft des US-Nahrungsmittelkonzerns Kraft Foods mit den Marken California Pizza Kitchen, Delissio, DiGiorno, Jack's und Tombstone. Dadurch stieg Nestlé zum Weltmarktführer bei Tiefkühlpizzen auf.

GERBER: 2007 verkaufte der Schweizer Pharmakonzern Novartis den US-Babynahrungshersteller Gerber an Nestlé. Sandoz, neben Ciba-Geigy eine der beiden Gründungsunternehmen von Novartis, hatte Gerber 1994 übernommen. Das 1927 von Daniel Frank Gerber gegründete Unternehmen ist der führende US-Hersteller von Babynahrung. 2012 erwarb Nestlé auch die Babynahrungssparte des US-Pharmakonzerns Pfizer.

STARBUCKS: 2018 übernahm Nestlé die weltweite Vermarktung von Kaffeeprodukten (Kaffeebohnen, gemahlener Kaffee) der US-Kaffeehauskette Starbucks im Einzelhandel. Davon ausgenommen sind nur Fertiggetränke.

FRONERI: 2016 gründeten Nestlé und der britische Speiseeis-Hersteller R&R Ice Cream das Jointventure Froneri (Leeming Bar/England), in das beide Partner ihr Speiseeisgeschäft und Teile des Tiefkühlkostgeschäfts (außer Tiefkühlpizzen) einbrachten; Nestlé die Marken Frisco, Häagen-Dazs, Mövenpick sowie Schöller und R&R die Lizenzmarken Landliebe (FrieslandCampina), Toblerone (Mondelēz), Oreo (Mondelēz) und Milka (Mondelēz). Eine Zeitlang hatte R&R auch die Eismarken des Mars-Konzerns (Mars, Snickers, Bounty, Twix) produziert und vermarktet. Zunächst wurde Froneri nur in Europa, dem Nahen Osten (ohne Israel), Argentinien, Australien, Brasilien, den Philippinen und Südafrika tätig, 2019 kamen Israel und die USA dazu. Asien, Kanada und Lateinamerika verblieben vorerst bei Nestlé.

BÜBCHEN: Von 1983 bis 2019 gehörte die Firma Bübchen-Werk Ewald Hermes aus Soest, ein 1961 gegründeter Hersteller von Körperpflegeprodukte für Säuglinge, Kinder und Schwangere, zu Nestlé.

KRITIK: Als führender Nahrungsmittelkonzern der Welt steht Nestlé seit den 1970er Jahren regelmäßig in der öffentlichen Kritik. So werden/wurden dem Konzern eine aggressive Vermarktung von Säuglingsnahrung in Entwicklungsländern vorgeworfen, außerdem die Verwendung von gentechnisch veränderten Zutaten, die Durchführung von Tierversuchen, die Duldung von Kinderarbeit, Menschenhandel und Zwangsarbeit auf Kakaoplantagen in Westafrika, die Zerstörung des indonesischen Regenwalds und Ausrottung der Orang-Utans (wegen des dort angebauten Palmöls), Repressionen gegen Gewerkschaften oder das Abpumpen von Wasser in ländlichen Regionen der Dritten Welt für die Mineralwasserproduktion, was zur Absenkung des Grundwasserspiegels und zur Austrocknung von Brunnen führt.

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