Markenlexikon

Marabou

Ursprungsland: Schweden

Olaf Larsen (1867 – 1920), der bereits mit der Herstellung von Schokolade experimentiert hatte, und der Kolonialwarenhändler Fredrik Wilhelm Hjorth Christensen gründeten 1889 eine Schokoladenfabrik in Oslo, die sie nach der nordischen Liebesgöttin Freia (auch als Freya und Freyja bekannt) benannten. 1892 ging die Freia Schokoladenfabrik in den Besitz von Johan Throne Holst (1862 – 1946) über. Larsen gründete 1898 eine neue Firma, die Olaf Larsens Chokoladefabrik (Asola). Throne Holst baute Freia in den nächsten Jahrzehnten zum führenden Schokoladenhersteller Norwegens und später ganz Skandinaviens auf.

1916 expandierte Freia mit einer Tochtergesellschaft nach Schweden (Marabou). Sie wurde von Henning Throne Holst (1895 – 1980), dem Sohn des Eigentümers, geleitet. Da die Marke Freia in Schweden bereits einer anderen Firma gehörte, wurde die Schokolade dort unter dem Namen Marabou verkauft (der Marabu war das Wappentier von Freia). Die Produktion in Sundbyberg bei Stockholm begann erst 1919, da während des Ersten Weltkriegs Kakao nur schwer zu bekommen war.

1941 erwarb Marabou die kleine Fruchtkonserven-, Wein- und Likörfabrik Skånska Fruktvin- & Likörfabriken in dem südschwedischen Ort Bjuv, die daraufhin in Findus (Frukt Industri) umbenannt wurde. 1945 kamen die ersten tiefgefrorenen Lebensmittel in Schweden auf den Markt, zunächst vor allem Obst und Gemüse. 1949 folgten tiefgekühlte Fischfilets. Für die geplante Expansion in weitere europäische Länder wurde 1959 die Firma Findus International gegründet, die 1962 in den Besitz des Schweizer Nestlé-Konzerns überging.

1953 gelang Marabou mit dem Schoko-Mandel-Karamell-Riegel Dajm ein großer Erfolg in Skandinavien (1953 Schweden/Norwegen, 1963 Finnland, 1971 Dänemark). In den 1970er und 1980er Jahren folgten weitere Länder, wo der Riegel teilweise andere Namen bekam, wie u. a. in den USA (Skor). 1990 wurde der Markenname in Daim geändert, nur in Großbritannien und Irland verwendete man bis 2005 den Namen Dime.

Als die Marabou-Fabrik in Sundbyberg in den 1970er Jahren wegen der steigenden Nachfrage nach Schokolade an ihre Kapazitätsgrenzen stieß, wurde 1976 ein neues Werk in Upplands Väsby, dreißig Kilometer nordwestlich von Stockholm, errichtet. 1990 schlossen sich die beiden Unternehmen Freia und Marabou vollständig zusammen (Freia-Marabou). Zuvor waren neben Freia u. a. auch der US-Süßwarenkonzern Hershey, seit 1980 Skor-Vetriebspartner in den USA, und der norwegische Chemiekonzern Norsk Hydro an Marabou beteiligt gewesen.

1993 wurde Freia-Marabou von dem US-Tabakkonzern Philip Morris (Marlboro) übernommen, dem bereits mehrere Süßwaren- und Nahrungsmittelhersteller gehörten (General Foods, Kraft Foods, Jacobs-Suchard, Miller Brewing) und in die Tochtergesellschaft Kraft Foods (Birds Eye, Cafe Hag, Côte d'Or, Gevalia, Hellmann's, Jacobs Kaffee, Kaba, Jell-O, Kool Aid, Kraft Deluxe, Maxwell House, Milka, Miracle Whip, Mirácoli, Onko, Oscar Mayer, Phildelphia, Post Cereals, Reis-Fit, Suchard Express, Toblerone, Velveeta) integriert. Später erwarb Kraft Foods noch weitere Unternehmen (u. a. 2000 Nabisco, 2007 Danone-Gebäcksparte, 2010 Cadbury).

2012 benannte sich Kraft Foods in Mondelēz International (Süßwaren, Snacks, Kaffee, International Foods) um und verkaufte das nordamerikanische Nahrungsmittelgeschäft unter dem Namen Kraft Foods Group anschließend an seine Aktionäre. Daim, Freia und Marabou gehören nun neben zahlreichen anderen Snack- und Süßwarenmarken (u. a. Cadbury, Chips Ahoy, Côte d'Or, LU, Mikado, Milka, Nabisco, Oreo, Prince, Ritz Cracker, Toblerone, TUC) zu Mondelēz International.

Die Produkte von Freia und Marabou (u. a. Co-Co, Daim, Freia Backpulver, Freia Desert-/Puddingpulver, Freia Kakao, Freia Melkesjokolade, Freia Schokoladendrinks, Freia Kekse, Japp, Lohengrin, Kex, Krokanrull, Kvikk Lunsj, Marbou Mjölkchoklad, Skotte, Smil) werden bis auf einige Ausnahmen (u. a. Daim, Marabou Schokoladenrollen) vor allem in Skandinavien verkauft und auch dort hergestellt (Oslo/Norwegen, Upplands Väsby/Schweden). Allerdings gibt es sie in vielen Ländern in den IKEA-Einrichtungshäusern zu kaufen.

Text: Toralf Czartowski