Markenlexikon

LTV

Ursprungsland: USA

LING ELECTRIC, TEMCO: Der frühere Elektriker James Joseph Ling (1922 – 2004) gründete 1947 in Dallas/Texas die Elektrofirma Ling Electric Company. In den 1950er Jahren erwarb er erst L.M. Electronics (1956) und Altec Electronics (1959), einen Hersteller von Unterhaltungselektronik, und dann 1960 die TEMCO Aircraft Corporation (Dallas/Texas), die frühere Texas Engineering and Manufacturing Company (TEMCO), einen nach dem 2. Weltkrieg von dem früheren North-American-Aviation-Angestellten Robert McCulloch gegründeten Hersteller von Kleinflugzeugen, militärischen Raketen sowie elektronischen Systemen für Flugzeuge und Raketen.

CHANCE VOUGHT, LTV: 1962 kaufte Ling-Temco Electronics im Zuge einer feindlichen Übernahme die Chance Vought Corporation, einen Hersteller von Kampfflugzeugen und militärischen Raketensystemen, der seinen Hautsitz ebenfalls in Dallas hatte. Ling und McCulloch liehen sich das Geld für die Vought-Übernahme von dem texanischen Ölbaron David Harold Byrd (Byrd Oil Corporation, B.H. Drilling Corporation, Three States Natural Gas Company) und dem Unternehmer Troy Victor Post (Greatamerica Corporation, Braniff Airways). Das neue Unternehmen firmierte als Ling Temco Vought Inc. (ab 1971 LTV Corporation) mit Sitz in Dallas. Ab 1964 bestand die Holdinggesellschaft LTV aus drei Unternehmen: LTV Aerospace (ab 1976 Vought Corporation, ab 1983 LTV Aerospace and Defense Company), LTV Ling Altec und LTV Electrosystems.

Die Muttergesellschaft LTV Corporation wandelte sich immer mehr zu einem Mischkonzern, der typisch für die 1960er und 1970er Jahre war (u.a. BAT Industries, Beatrice Companies, Gulf & Western, Hanson, ITT, Reynolds Industries). Man kaufte Unternehmen aus den unterschiedlichsten Bereichen, u.a. Okonite (Kabel), Wilson and Company (selbst ein Mischkonzern), Greatamerica Corporation (Versicherung), Braniff International Airways (Fluggesellschaft), National Car Rental (Autovermietung), Jones & Laughlin Steel (Stahlkonzern), Republic Steel Corporation (Stahlkonzern) sowie Hotelanlagen in Mexiko und Colorado. Der Versuch den größten Konkurrenten im Bereich der Navy-Kampfflugzeuge, die Grumman Corporation (Hersteller der F-14 Tomcat), zu übernehmen, scheiterte 1981 am Einspruch der Kartellbehörden.

Wie bei den meisten Mischkonzernen, die sich mit zu vielen Branchen verzettelten, kam in den 1980er Jahren das Ende. Die Insolvenz der LTV Corporation (1986) war damals neben der Texaco-Pleite (1987) eine der größten Firmenzusammenbrüche der amerikanischen Unternehmensgeschichte. Das Insolvenzverfahren zog sich bis 1993 hin. Für den Niedergang war vor allem das schlecht laufende Stahl- und Energiegeschäft verantwortlich, während LTV Aerospace als einer der führenden Waffenlieferanten des Pentagon gute Gewinne erwirtschaftete.

LTV wurde in den nächsten Jahren wieder in seine Einzelteile zerlegt. Der Flugzeugbereich von LTV Aerospace and Defense ging an 1992 an Northrop und den Finanzinvestor Carlyle Group und wurde anschließend in Vought Aircraft Company umbenannt. Die LTV Missiles and Space Division übernahm ebenfalls 1992 Loral (Loral Vought Systems; gehört heute zu Lockheed-Martin). 1994 erwarb Northrop-Grumman auch die Anteile der Carlyle Group an Vought Aircraft.

1996 kaufte Carlyle die Aerostructures Division von Textron (vormals Avco Aerostructures) sowie das dazugehörige Werk in Nashville/Tennessee. Die Ursprünge dieses Werks reichen bis 1939 zurück, als dort die Stinson Aircraft Corporation, eine Tochter der Aviation Corporation (AVCO), ansässig war.

VOUGHT AIRCRAFT: Im Jahr 2000 verkaufte Northrop-Grumman den Bereich Aerostructures (Zulieferer für die Boeing-Flugzeuge 747, 757 und 767, die Gulfstream V, die Northrop B-2 und die McDonnell Douglas C-17) wieder an die Carlyle Group, die ein neues Unternehmen gründete (Vought Aircraft Industries).

Seit 2010 gehört Vought zur Triumph Group Inc. (vormals Alco Standard Corporation) aus Berwyn/Pennsylvania. Triumph Aerostructures – Vought Aircraft Division produziert heute z.B. Rumpfteile, Flügel und Leitwerke für zahlreiche zivile und militärische Flugzeugmodelle von Airbus, Boeing, Bombardier/Cessna, Embraer, Gulfstream, Lockheed-Martin und Northrop-Grumman. Das Unternehmen betreibt Werke in Dallas/Texas (das Vought-Hauptwerk seit 1948), Hawthorne/California (ein früheres Northrop-Werk), Milledgeville/Georgia (ein früheres Grumman-Werk), Nashville/Tennessee (vormals Textron/Avco Aerostructures), Stuart/Florida (ebenfalls ein früheres Grumman-Werk) und Tulsa/Oklahoma (ehemals ein Werk von Douglas Aircraft, North American/Rockwell und McDonnell-Douglas).

LTV STEEL: Der Stahlbereich firmierte ab 1993 als LTV Steel (Cleveland/Ohio). Aus LTV Steel ging 2002 die International Steel Group Inc. (Acme Steel, Bethlehem Steel, Georgetown Steel, Weirton Steel) hervor, die sich 2005 mit Ispat International N.V. (gegründet 1995 von Lakshmi Narayan Mittal) und LNM Holdings N.V. (ebenfalls im Besitz der Mittal-Familie) zur Mittal Steel Company N.V. zusammenschloss. Nach der Übernahme des Stahlkonzerns Arcelor (Luxemburg) 2006 firmiert der Konzern als ArcelorMittal.

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