Markenlexikon

Loral

Ursprungsland: USA

William Lorenz und Leon Alpert gründeten 1948 im New Yorker Bezirk Bronx die Loral Electronics Corporation, eine kleine Firma, die Radar- und Sonar-Systeme für die US Air Force und die US Navy entwickelte und produzierte. Der Firmenname Loral entstand aus den beiden Silben LOR (Lorenz) und AL (Alpert). 1959 ging das Unternehmen an die New Yorker Börse. Zu gleichen Zeit erwarb Loral zahlreiche Unternehmen, u.a. die Willor Manufacturing Corporation (1959), die Elektronik-Equipment-Sparte der Allor Leasing Corporation (1959), die American Beryllium Company (1961), Arco Electronics (1961), A & M Instrument Company (1963), Lerner Plastics (1963) und Circle Plastics (1963). 1961 entstand eine weitere Abteilung, die sich mit der damals noch neuen Satellitentechnik beschäftigte (Kommunikationssysteme, Navigationssysteme, Telemetrie).

BERNARD SCHWARTZ: Obwohl Loral in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre zahlreiche Aufträge des Militärs aber auch von Luft- und Raumfahrtkonzernen wie General Dynamics erhielt (vor allem für Radarsysteme), kam das Unternehmen Anfang der 1970er Jahre in finanzielle Schwierigkeiten, was hauptsächlich an den vielen Übernahmen in den frühen 1960er Jahren lag, die sich teilweise als nicht profitabel erwiesen. Schließlich holte das Management 1972 den Buchhalter und Unternehmenssanierer Bernard Leon Schwartz ins Boot, der einen Teil der Aktien von William Lorenz und Leon Alpert übernahm (rund 11 Prozent) und anschließend Präsident und CEO von Loral wurde. Alpert und Lorenz zogen sich ins Privatleben zurück. Schwartz konnte das Unternehmen wieder auf Vordermann bringen, u.a. auch durch den Verkauf von verlustreichen Beteiligungen.

In den 1970er Jahren entwickelte Loral für das neue Kampfflugzeug McDonnell-Douglas F-15 Eagle einen Radarempfänger, der innerhalb von 20 Minuten von einem Mikrocomputer automatisch umprogrammiert werden konnten, wenn die Sowjetunion die Radarsignale ihrer Flugzeuge änderte. Zuvor mussten in solchen Fällen die Warnempfänger ausgebaut und neu verkabelt werden, was Tage oder Wochen dauerte. Ab Mitte der 1970er Jahre entwickelte der Konzern ein integriertes Radarsystem für die belgische Luftwaffe, das später auch andere Länder übernahmen. Loral wandelte sich in dieser Zeit von einem Komponentenanbieter, zu einem Komplettanbieter für elektronische Kriegsführung. Dieser Markt wuchs in der Reagan-Ära immer stärker und Loral war in den 1980er Jahren der führende US-Hersteller derartiger Systeme. Daneben betrieb Loral noch seine Satelliten-Sparte, die Komponenten für Satelliten herstellte, und das Geschäft mit Kunststoffverpackungen, das allerdings 1986 verkauft wurde.

GOODYEAR AEROSPACE, HONEYWELL ELECTRO-OPTICS, FORD AEROSPACE, SPACE SYSTEMS/LORAL: 1987 erwarb Loral die Aerospace-Sparte des Reifenherstellers Goodyear (Goodyear Aerospace), die daraufhin in Loral Defense Systems umbenannt wurde. Goodyear hatte jahrzehntelang Blimps (ab 1912), Wetterballons (ab 1914), starre Luftschiffe (1929), Scheibenbremsen für Flugzeuge (ab 1932) und während des 2. Weltkriegs sogar Flugzeuge (Vought F4U Corsair) gebaut. 1989 kaufte Loral die Electro-Optics Division (Navigationssysteme) von Honeywell. 1990 übernahm Loral auch die Aerospace-Sparte des Autokonzerns Ford (Ford Aerospace), die seit 1956 bestand. Diese Tochtergesellschaft, die unter verschiedenen Namen auftrat (Aeronutronic, Philco-Ford, Aeronutronic Ford, Ford Aerospace & Communications, Ford Aerospace), fertigte u.a. Satelliten (Initial Defense Communications Satellite Program) und Kommunikations-Equipment (Worldwide Tracking Network, Mission Control Center Program) für die Raumfahrtprogramme der NASA, Computer für zivile und militärische Anwendungen sowie Autoradios für Ford. Ford Aerospace wurde daraufhin in Space Systems/Loral umbenannt. Durch die Übernahme von Ford Aerospace verdoppelte sich die Größe von Loral nahezu und das Unternehmen war nun auch in der Lage, komplette Satelliten für zivile und militärische Zwecke anzubieten.

GLOBALSTAR: 1991 gehörte Loral zu den Gründern des Satellitenkommunikationsnetzes Globalstar. Weitere Gründungsunternehmen waren Alenia (heute Leonardo), China Telecom, DACOM, DaimlerChrysler Aerospace (heute Airbus), Elsacom, Hyundai, Qualcomm, TE.SA.M (France Telecom, Alcatel) und Vodafone AirTouch. Geführt wurde das Globalstar-Konsortium von Loral. Globalstar nahm den Betrieb im März 2000 auf. Im gleichen Jahr beteiligten sich Aérospatiale (Frankreich), Alcatel (Frankreich) und Alenia (Italien) mit zusammen 49 Prozent an Space Systems/Loral.

LTV MISSILE AND SPACE, IBM FEDERAL SYSTEMS, UNISYS PARAMAX: 1992 übernahm Loral die Missiles and Space Division des seit 1986 insolventen Mischkonzerns LTV Corporation (Ling-Temco-Vought). Dadurch bekam Loral nun noch ein weiteres Geschäftsfeld, was dazu führte, dass der Konzern in 1990er Jahren u.a. auch Panzerabwehrraketen und Startkontrollzentren für das Rapid Execution And Combat Targeting System (REACT) an die US Army und die US Air Force lieferte. Weitere Akquisitionen waren 1994 die Federal Systems Division von IBM und 1995 die Paramax Defense Unit von Unisys.

LOCKHEED-MARTIN, LORAL SPACE AND COMMUNICATIONS, AT&T SKYNET/TELSTAR, ORION NETWORK SYSTEMS: 1996 wurde die Loral Corporation von dem Luft- und Raumfahrtkonzern Lockheed-Martin übernommen, der das Satellitengeschäft in ein neues Unternehmen mit dem Namen Loral Space & Communications Inc. ausgliederte und an eine Gruppe von Loral-Mitarbeitern verkaufte. Der Loral-CEO Bernard Schwartz wurde nun Chef der neuen Firma. Lockheed-Martin behielt das Verteidigungsgeschäft von Loral, das vollständig in die Lockheed-Martin Corporation integriert wurde. Loral Space besaß einen Anteil von 51 Prozent an Space Systems/Loral und 34 Prozent an Globalstar. 1997 kaufte Loral Space die Skynet-Satellitensparte von AT&T, die seit 1962 die Telstar-Satelliten baute und betrieb, und 1998 den Satellitenbetreiber Orion Network Systems, dem der von Matra-Marconi Space gebaute Telekommunikationssatellit Orion 1 (1995) gehörte, der daraufhin in Telstar 11 umbenannt wurde.

TELESAT, XTAR: Von Juli 2003 bis Nobember 2005 stand Loral Space & Communications unter Gläubigerschutz. Während dieser Zeit verkaufte das Unternehmen Teile seiner Satellitenflotte (Telstar 5, 6, 7, 8, 13) an Intelsat. 2006 gab Bernard Schwartz die Geschäftsführung von Loral Space nach 34 Jahren ab. 2007 erwarb Loral Space gemeinsam mit dem Public Pension Investment Board of Canada von BCE (Bell Canada Enterprises) den 1969 gegründeten Satellitenbetreiber Telesat, der daraufhin mit Loral Skynet verschmolzen wurde. Gemeinsam mit Hisdesat (Spanien) betreibt Loral Space das Jointventure XTAR LLC, das seit 2005 den militärischen XTAR-EUR-Satelliten betreibt, der von Space Systems/Loral hergestellt wurde.

MDA, MAXAR, SSL: 2012 verkaufte Loral Space die Tochtergesellschaft Space Systems/Loral LLC (Palo Alto/California) an das kanadische Unternehmen MacDonald, Dettwiler and Associates (MDA), das sich 2017 mit DigitalGlobe zusammenschloss und sich daraufhin in Maxar Technologies (Westminster/Colorado) umbenannte. Die Investmentfirma Northern Private Capital übernahm 2020 Teile von Maxar und gründete ein neues Unternehmen mit dem früheren Namen MDA. Maxar ist nun die Muttergesellschaft von SSL (bis 2012 Space Systems/Loral). SSL ist neben Airbus Defence and Space (vorm. Matra-Marconi Space), Boeing Satellite Systems (vorm. Hughes Space), Lockheed Martin Space Systems, Reshetnev und Thales Alenia Space einer der weltweit führenden Entwickler und Hersteller von Satelliten.

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