Markenlexikon

Kelvinator

Ursprungsland: USA

Nathaniel Wales, Arnold Goss und Edmund Copeland waren jahrelang in Detroits Autokonzernen General Motors, Buick und Chevrolet beschäftigt gewesen, bevor sie 1916 die Electro-Automatic Refrigerator Company ins Leben riefen, die ab 1918 elektrische Kühlschränke und Kühlanlagen unter dem Markennamen Kelvinator produzierte – gleichzeitig wurde das Unternehmen in Kelvinator Company umbenannt. Namenspate war der irische Physiker Sir William Thomson – Lord Kelvin of Largs (1824 – 1907), der 1848 eine neue Temperaturskala geschaffen hatte. 1928 wurde George Walter Mason (1891 – 1954) neuer Chef des Unternehmens. Unter seiner Führung stieg Kelvinator zum zweitgrößten Kühlschrankhersteller der USA auf. Marktführer war damals die General-Motors-Tochter Frigidaire, deren Gründer Alfred Mellowes 1915 einen der ersten elektrischen Haushaltskühlschränke entwickelt hatte. Auch im Ausland verkauften sich die Kelvinator-Kühlschränke hervorragend, teilweise sogar besser als in Nordamerika (seit 1926 gab es Tochtergesellschaften in Kanada und Großbritannien, ab 1945 in Südafrika und ab 1960 in Indien).

Als Charles Warren Nash (1864 – 1948), der Besitzer des Autoherstellers Nash Motor Company, 1936 in den Ruhestand gehen wollte, machte ihn Walter Chrysler auf Mason als Nachfolger aufmerksam. Der wollte allerdings lieber Chef von Kelvinator bleiben. Erst als 1937 der Zusammenschluss beider Unternehmen ins Gespräch kam, wurde er schließlich doch Vorstandvorsitzender der neuen Nash-Kelvinator Corporation mit Sitz in Kenosha/Wisconsin. Die Fusion eines Auto- und eines Kühlgeräteherstellers machte durchaus Sinn, da Auto-Klimaanlagen in den USA damals gerade in Mode kamen. Auch GM (Frigidaire) und Chrysler bauten eigene Lüftungs- und Klimaanlagen für ihre Autos.

Um gegen die drei großen US-Autokonzerne General Motors, Ford und Chrysler bestehen zu können, war jedoch auch Nash-Kelvinator zu klein, vor allem als sich GM und Ford in den späten 1940er Jahren einen ruinösen Preiskampf lieferten. Auch die anderen kleinen US-Hersteller Studebaker und Packard sowie Kaiser Motors und Willys-Overland (Jeep) waren in den frühen 1950er Jahren gezwungen, sich zusammenzuschließen. 1954 übernahm Nash-Kelvinator schließlich die Hudson Motor Car Company aus Detroit, die 1909 von Joseph Lowthian Hudson (1846 – 1912) gegründet worden war und die ebenfalls zu den kleineren Herstellern gehörte. Das neue Unternehmen firmierte nun als American Motors Corporation (AMC).

AMC verkaufte das Kühlgerätegeschäft und die Marke Kelvinator 1968 an die White Consolidated Industries Inc. Die Kelvinator-Tochtergesellschaften in Italien und Großbritannien wurden 1970 und 1980 von dem italienischen Hausgerätehersteller Candy übernommen. 1979 verkaufte GM den Kelvinator-Konkurrenten Frigidaire an den WCI-Konzern, dem inzwischen auch die Hausgerätemarke von Westinghouse Electric gehörte (White-Westinghouse).

1986 kam White Consolidated Industries unter die Kontrolle des schwedischen Electrolux-Konzerns; gleichzeit übernahm der US-Kühlgerätehersteller Carrier die Sparte Kelvinator Commercial (industrielle Kühlgeräte, Eismaschinen) in den USA. 1991 benannte Electrolux seine US-Tochter White Consolidated Industries in Frigidaire Company um (ab 1996 Frigidaire Home Products Inc., seit 2002 Electrolux Home Products North America).

Kelvinator Commercial (nur in den USA) gehört seit 2005, als United Technologies/Carrier diesen Bereich verkaufte, zu National Consolidated Industries (National Refrigeration Company, Universal Nolin) aus Honea Path/South Carolina. Außerhalb der USA vermarktet Electrolux unter dem Namen Kelvinator Commercial ebenfalls industrielle Kühlgeräte. Die Waschmaschinenproduktion der indischen Tochtergesellschaft Kelvinator India übernahm 1995 Whirpool, die Kühlgerätesparte verkaufte Electrolux 2005 an den indischen Videocon-Konzern. Die Kelvinator-Klimageräte werden seit 1999 von Nordyne hergestellt. Heute ist die Marke Kelvinator im Heimbereich vor allem in Australien, Indien und Südafrika weitverbreitet.

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