Markenlexikon

Hochtief

Ursprungsland: Deutschland

Johann Philipp Helfmann (1843 – 1899), ein gelernter Maurer, betrieb zunächst einen Holzhandel in Frankfurt am Main. Sein Bruder Balthasar Helfmann (1848 – 1896) war selbstständiger Schlosser, ebenfalls in Frankfurt. 1873 gründeten sie im Frankfurter Stadtteil Bornheim die Baufirma Gebrüder Helfmann. Das Unternehmen baute zunächst Häuser auf eigene Rechnung, die nach Fertigstellung verkauft wurden. 1878 erhielten die deie Brüder ihren ersten Großauftrag, den Bau der Universität Gießen. Von 1896 bis 1897 errichtete die Firma das Rosentalviadukt, eine Eisenbahnbrücke bei Friedberg (Hessen). Nach dem Tod von Balthasar Helfmann 1896 wurde das Unternehmen in Aktiengesellschaft (Aktiengesellschaft für Hoch- und Tiefbauten; ab 1923 Hochtief Aktiengesellschaft für Hoch- und Tiefbauten vorm. Gebrüder Helfmann) umgewandelt. 1899 bekam das Unternehmen den ersten großen Auftrag im Ausland, einen Getreidespeicher in Genua.

1921 übernahm der Industrielle Hugo Stinnes (1870 – 1924) die Aktienmehrheit und integrierte das Bauunternehmen ab 1922 in die Hugo Stinnes GmbH, der zahlreiche Bergwerke, Schifffahrtsgesellschaften und Maschinenbauunternehmen gehörten, außerdem eine Beteiligung an der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk AG (RWE). 1922 wurde der Unternehmenssitz nach Essen verlegt. Nach dem Tod von Hugo Stinnes geriet dessen Holdinggesellschaft in finanzielle Schwierigkeiten, die 1925 zur Zahlungsunfähigigkeit führten. Die Hochtief-Aktien wurden daraufhin von der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk AG (RWE) und der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) übernommen. Während der NS-Zeit war Hochtief u.a. an der Errichtung der Reichparteitagsbauten in Nürnberg, des Führerhauptquartiers Wolfsschanze in Rastenburg (Ostpreußen), der Bauten des Führersperrgebiets Obersalzberg, des Führerbunkers in Berlin, des KdF-Seebads Rügen in Binz-Prora und der Reichsautobahnen beteiligt.

Mit dem Wiederaufbau Deutschlands in den 1950er Jahren begann für die deutsche Bauindustrie eine goldene Zeit. Hochtief baute in dieser Zeit Wohnungen sowie Fabrik- und Verwaltungsgebäude. Daneben wurde Hochtief auch im Ausland tätig. So errichtete der Konzern u.a. die Nilbrücke Mansourah in Ägypten (1951 – 1952), die Sariyar-Talsperre in der Türkei (1952 – 1956) und die Kraftzentrale Izmir/Türkei (1953). Weltweite Berühmtheit erlangte Hochtief durch die Versetzung der Felsentempels von Abu Simbel/Ägypten im Zusammenhang mit dem Bau des Assuan-Staudamms (1963 – 1968). Die meisten Bauaufträge, vor allem zur Errichtung von Kraftwerken, kamen jedoch bis in die 1970er Jahre hinein aus dem Inland. So bauten Hochtief und die AEG im Auftrag von RWE und dem Bayernwerk das erste kommerzielle Kernkraftwerk der Bundesrepublik Deutschland (Kernkraftwerk Kahl in der Nähe von Großwelzheim/Bayern; 1958 – 1962).

Von 1974 bis 1980 realisierte Hochtief mit dem schlüsselfertigen Bau des King Abdulaziz International Airports bei Dschidda (Saudi Arabien) den größten Auftrag der Firmengeschichte. Kurz zuvor war Hochtief Teil eines Jointventures, das in Istanbul die erste Brücke über den Bosporus errichtete (Bosporus-Brücke; 1970 – 1973; 1560 Meter Länge), die den europäischen mit dem asiatischen Teil der Stadt verbindet. Mitte der 1980er Jahren brach das Auslandsgeschäft jedoch empfindlich ein.

Nach der Wiedervereinigung kam es zu einer kurzfristigen Baukonjunktur, die jedoch schon Mitter der 1990er Jahre wieder nachließ. Der Konzern rief in dieser Zeit mehrere neue Bereiche ins Leben, die die gesamte Wertschöpfungskette (Planen, Finanzieren, Bauen, Betreiben) abdeckten: Projektentwicklung (1991), Facility-Management (1996), Airport-Management (1997) sowie Infrastrukturentwicklung- und -finanzierung (2002). 2004 erwarb Hochtief die Gebäudemanagement-Sparten von Siemens und Lufthansa.

1999 übernahm Hochtief den US-Baukonzern The Turner Corporation aus New York, der u.a. den Madison Square Garden (1963 – 1967), das Citigroup Center (1974 – 1977), die Rock and Roll Hall of Fame in Cleveland (1992 – 1995), den Burj Khalifa in Dubai (2004 – 2010), das Taipei Financial Center (Taipeh 101) in Taipeh/Taiwan (1999 – 2004) und den Al Hamra Tower in Kuwait (2005 – 2011) errichtet hat. Weitere Auslandsakquisitionen waren 2001 eine Beteiligung an der australischen Leighton Group (seit Cimic Group) und 2007 das US-Tiefbau-Unternehmen Flatiron.

2004 verkaufte der Energiekonzern RWE seine Anteile an der Hochtief AG, sodass sich anschließend fast 80 Prozent der Hochtief-Aktien im Streubesitz befanden. 2006 erwarb der Bankier und Investor August François von Finck über seine Custodia Holding eine Beteiligung von 25,01 Prozent an der Hochtief AG, die er schon 2007 wieder an den spanischen Baukonzern Actividades de Construcción y Servicios (ACS) weiterreichte. In den nächsten Jahren erwarb ACS weitere Anteile, bis die Spanier 2011 über 50 Prozent erreicht hatten. Unter der ACS-Führung konzentrierte sich Hochtief ab 2013 wieder auf das eigentliche Baugeschäft, vor allem auf große Infrastrukturprojekte. Andere Geschäftsfelder wie Hochtief Airport, Service Solutions (Facility- und Energy-Management) und das Offshore-Geschäft wurden verkauft.

Zu den bekanntesten Hochtief-Bauprojekten (neben den bereits genannten) gehören u.a. der Ausbau des Flughafens Frankfurt am Main (1968 – 1972), der Neue Elbtunnel in Hamburg (1969 – 1975), der Messeturm in Frankfurt am Main (1988 – 1991), der Commerzbank Tower in Frankfurt am Main (1994 – 1996), die Öresundbrücke zwischen Kopenhagen und Malmö (1996 – 2000), der Gotthard-Basistunnel in der Schweiz und die Elbphilharmonie in Hamburg (2007 – 2016).

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