Markenlexikon

Heidelberg Cement

Ursprungsland: Deutschland

Johann Philipp Schifferdecker (1811 – 1888) entstammte einer Bierbrauerfamilie. Zunächst arbeitete er in der Brauerei seines Onkels in Königsberg (Preußen). 1869, im Alter von 58 Jahren, verkaufte er seine Anteile an der Brauerei an seinen Bruder und kehrte anschließend in seine Heimat Baden zurück. Während der Zugfahrt von Königsberg nach Heidelberg soll er mit einem Mitreisende ins Gespräch gekommen sein, der ihm den Hinweis gab, dass man mit Portland-Zement ein Vermögen verdienen könne. Der von dem Engländer Joseph Aspdin (1778 – 1855) 1824 patentierte Zement wurde damals noch teuer aus England importiert. 1873/74 setzte er die Idee in die Tat um. Er ersteigerte eine insolvente Mühle am Neckar und errichtete dort ein Zementwerk (Portland-Cement-Werk Heidelberg, Schifferdecker & Söhne OHG). 1875 begann das neue Werk mit der Zement-Produktion.

Der für den Zement benötigte Kalkstein wurde von den Bauern der Umgebung, deren Äcker an Bergen lagen, mit Hilfe von Brecheisen und Hämmern gebrochen und mit Fuhrwerken in die Fabrik gebracht, wo er gemahlen, angefeuchtet, gepresst, getrocknet und in Schachtöfen zu Zementklinkern gebrannt wurde. Zum Schluss vermahlte man die Klinker zusammen mit Gips in einer Kugelmühle zu Zement.

Nach dem Tod des Gründers 1889 wandelten seine Erben das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft um; neuer Chef wurde der Chemiker Friedrich Schott, der seit 1876 Technischer Leiter des Werks gewesen war. 1895 brannte die aus Holz errichtete Fabrik fast vollständig nieder, lediglich die Maschinen und Ringöfen konnten leicht beschädigt gerettet werden. Noch im selben Jahr errichtete die Firma eine neue Fabrik in Leimen, wenige Kilometer südlich von Heidelberg. Bald darauf entstanden in der Nähe des Werkswohnungen und dazugehörige Freizeiteinrichtungen (Bücherei, Hallenschwimmbad, Festhalle, Kantine, Kindergarten, Waschanstalt).

Um die Jahrhundertwende breitete sich die Portland-Cement-Werk Heidelberg, Schifferdecker & Söhne AG durch den Kauf von Zement-, Kalk- und Gipswerken im süddeutschen Raum aus. Übernommen wurden u.a. die Portland-Cement Fabrik Matthäus Lude Nürtingen (1899) und die Mannheimer Portland-Cement-Fabrik AG (1901), was zur neuen Firmierung Portland-Cement-Fabrik Heidelberg und Mannheim AG führte. 1918 kam noch die Stuttgarter Immobilien- und Baugeschäft AG hinzu, der mehrere Zementwerke in Baden-Württemberg gehörten (Blaubeuren, Gerhausen, Schelklingen), hinzu.

Während des 1. Weltkriegs musste die Zementproduktion aufgrund des Rückgangs der Bautätigkeit und des Arbeitskräftemangels stark zurückgefahren werden. Einige Werke wurden vorübergehend stillgelegt, in anderen produzierte man mit Hilfe der Zement-Mahlanlagen Futter- und Düngemittel. Der Zement-Absatz stieg erst Mitte der 1920er Jahre wieder an, um dann während der Weltwirtschaftskrise (1929 – 1933) erneut einzubrechen. 1918 verband man die Kalkstein-Lagerstätten bei Mußloch mit dem Werk in Leimen durch eine Seilbahn.

Friedrich Schotts Sohn Erhart Schott (1879 – 1968), Vorstandsmitglied und Werksleiter in Leimen, legte sich Anfang der 1930er Jahre mit den Nazionalsozialisten an, da er keine Einmischung in seinen Betrieb dulden wollte. Daraufhin wurde er verhaftet und 1933 zum Rückzug von seinen Ämtern gezwungen. In dieser Zeit verpackte man den Zement erstmals in Papiertüten; zuvor war er in Metallfässer abgefüllt worden. Unter den Nazionalsozialisten stieg die Zementproduktion zu einer Schlüsselindustrie auf, vor allem um die gewaltigen Bauvorhaben umsetzen zu können. Die Werke überstanden den Krieg weitgehend unbeschädigt. Nach dem Ende des Krieges wurde Ehrhart Schott wieder Vorstand des Unternehmens.

Der Wiederaufbau Deutschlands in den 1950er und 1960er Jahren sorgte in der Bauindustrie für einen gewaltigen Aufschwung. Der Zementabsatz vervierfachte sich in dieser Zeit, vor allem durch die zunehmende Verwendung von Beton als Baumaterial. Der Zement wurde nun nicht mehr in Säcken mit der Eisenbahn transportiert, sondern mit Silowagen direkt auf die Baustellen oder zu den Betonwerken geliefert. 1959 stiegen die Portland-Zementwerke Heidelberg ebenso wie der deutsche Konkurrent Dyckerhoff in die Produktion von Transportbeton ein. 1963 beteiligte sich das Unternehmen erstmals an einem ausländischen Zementwerk (Frankreich). Durch die Verwendung von Elektrofiltern gelang es den Zementwerken in den 1960er Jahren auch endlich die Umgebung staubfrei zu halten. Das Absatzwachstum in der Zementindustrie hielt bis zur Ölkrise 1973 an, als die Bauinvestitionen stark zurückgingen. Infolge dieser Entwicklung wurden die Befeuerung der Öfen von Öl auf die Kohle umgestellt.

Auf der Suche nach neuen Absatzgebieten kam es 1977 zur Übernahme der Lehigh Cement Company, die 12 Zementwerke in den USA besaß. Weitere bedeutende Akquisitionen waren u.a. 1993 der belgische Baustoffkonzern Cimenteries CBR S.A., 1995 eine Beteiligung an der China Century Cement Ltd., 1999 der schwedische Baustoffkonzern Scancem und der Trockenmörtel-Hersteller Maxit Holding GmbH (wurde 2007 verkauft), 2007 der britischen Baustoffkonzern Hanson PLC (der frühere Mischkonzern Hanson Trust) und 2016 die Italcementi S.p.A.

Die HeidelbergCement AG (so seit 2002 der offizielle Firmenname) gehört neben LafargeHolcim (Frankreich, Schweiz), Cemex (Mexiko), Buzzi Unicem/Dyckerhoff (Italien, Deutschland) und Saint-Gobain (Frankreich) zu den weltweit führenden Baustoffherstellern. Das Unternehmen produziert mit rund 58.000 Mitarbeitern in rund 60 Ländern an über 3.100 Standorten Zemente, Zuschlagstoffe (Sand, Kies, Beton- und Kalkprodukte, Kalksandstein), Transportbeton und Asphalt. HeidelbergCement betreibt 163 Zementwerke, mehr als 1.700 Transportbetonwerke und über 600 Förderstätten für Zuschlagstoffe (2019).

Das seit 2010 im DAX gelistete Unternehmen befindet sich zu rund 77 Prozent in Streubesitz. Größte Einzelaktionäre sind mehrere Fonds- und Investmentgesellschaft (BlackRock, Morgan Stanley, EuroPacific Growth Fund, Capital Group Companies, Artisan Partners Asset Management, First Eagle Global Fund, Efiparind B.V.).

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