Markenlexikon

Gulf & Western

Ursprungsland: USA

Der Österreicher Charles George Bluhdorn (eigtl. Karl Georg Blühdorn; 1926 – 1983) ging 1942 in die USA, wo er sich zunächst mit dem Import von Kaffee aus Brasilien und Afrika beschäftigte (Fortuna Coffee Company). Da der Kaffeemarkt starken Schwankungen unterworfen war, suchte Bluhdorn nach einem sicheren Geschäft und fand es in der damals stark wachsenden Autoteile-Branche. Teile für Autos werden immer gebraucht, entweder von den Autoherstellern (wenn der Autoverkauf gut läuft) oder als Ersatzteile (wenn weniger neue Autos gekauft werden und deswegen die vorhandenen Autos länger halten müssen). 1956 kaufte er sich in die Michigan Plating & Stamping Company aus Grand Rapids/Michigan ein, die u.a. Stoßstangen für Studebaker herstellte. Ein Jahr später kam es zum Zusammenschluss mit der Beard & Stone Electric Company, einem Autoteile-Händler aus Houston/Texas. 1958 benannte Bluhdorn das Unternehmen in Gulf & Western Industries Inc. um; der Namensbestandteil »Gulf« stand für den damaligen Firmensitz in Houston (am Golf von Mexiko) und »Western« für die Annahme, dass das zukünftige Wachstum vor allem in den westlichen US-Bundesstaaten generiert werden würde, wo auch die Autoverkäufe in die Höhe schnellten.

Ab 1965 begann Gulf & Western damit, Unternehmen aus anderen Branchen aufzukaufen, vorzugsweise solche mit großen Barreserven, mit denen weitere Firmen übernommen werden konnten, oder mit unterbewerteten Vermögenswerten, um Kredite für weitere Übernahmen aufnehmen zu können. 1966 erwarb Gulf & Western die New Jersey Zinc Company, einen Bergbau- und Chemiekonzern. Noch im gleichen Jahr folgte die Filmgesellschaft Paramount Pictures Corporation. Und dann ging es Schlag auf Schlag; in manchem Jahr wurden über zwanzig Unternehmen gekauft. Zu den übernommen Gesellschaften zählten u.a. Taylor Forge (1967; Metallverarbeitung), South Puerto Rico Sugar Company (1967; Zucker), Desilu Productions (1967; TV-Serien wie »Raumschiff Enterprise«, »Mannix« und »Mission: Impossible«), The Associates First Capital Corporation (1968; Finanzdienstleistungen), Consolidated Cigars Corporation (1968; Tabak), E.W. Bliss (1968; Maschinenbau), Universal American/Bohn Aluminum and Brass Corporation (1968; Aluminium, Messing), Stax Records (1968; Plattenlabel), Sega Enterprises (1969; Spielautomaten), Kayser-Roth Corporation (1975; Catalina Swimwear, Miss-Universe-Wettbewerb), Simon & Schuster (1975; Verlag), Madison Square Garden (1977; Mehrzweckarena), New York Rangers (1977; Eishockey-Mannschaft), New York Knicks (1977; Basketball-Mannschaft), Simmons Bedding Company (1979; Matratzen) und Thomas Ryder and Son (1981; Werkzeugmaschinen). Darüber hinaus versuchte Bluhdorn, der Hauptaktionär von Gulf & Western war, auch Konzerne zu kaufen, die wesentlich größer waren als sein eigener (Pan American Airways, Armour, Sinclair) – diese Übernahmen scheiterten jedoch letztlich alle. Dennoch konnte Bluhdorn die wenigen Aktien, die er bereits erworben hatte, alle gewinnbringend verkaufen.

Nach dem frühen Tod von Bluhdorn im Jahr 1983 (er starb im Alter von 56 Jahren an einem Herzinfarkt), begann Martin S. Davis als CEO von Gulf & Western damit, den Konzern umzubauen. Im Vordergrund standen nun die Unterhaltungsaktivitäten (Paramount Pictures) – der Rest kam nach und nach unter den Hammer. 1989 benannte sich Gulf & Western Industries schließlich in Paramount Communications Inc. um.

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