Markenlexikon

EMI

Ursprungsland: Großbritannien

Die Electric and Musical Industries Limited (EMI) entstand 1931 aus dem Zusammenschluss der beiden britischen Grammophon- und Schallplattenhersteller The Gramophone Co. Ltd. (His Master's Voice, Electrola, Zonophone) und Columbia Graphophone Co. Ltd. (Columbia, Odeon, Parlophone, Pathé). Gramophone war 1898 im Auftrag des Grammophon- und Schallplattenerfinders Emil Berliner gegründet worden, Columbia Graphophone 1900 als Ableger der amerikanischen Columbia Phonograph Company. Das Graphophone war eine Weiterentwicklung des Phonographen. EMI befand sich zunächst im Besitz des US-Elektro- und Musikkonzerns RCA-Victor (der die Gramophone-Anteile einige Jahre zuvor von Emile Berliners früherem Geschäftspartner Eldridge Johnson erworben hatte) und Louis Sterling, der Besitzer der Columbia-Gesellschaften in den USA und Großbritannien. Der Hauptsitz des neuen Konzerns befand sich in Hayes, wo die Gramophone Company 1908 das erste Presswerk Großbritanniens in Betreib genommen hatte. 1931 wurde auch das Abbey-Road-Studio in London eröffnet.

Nach der Fusion verkaufte EMI die amerikanische Columbia aus kartellrechtlichen Gründen (daraus ging später CBS Records/Columbia hervor). RCA-Victor veräußerte die EMI-Anteile 1935, behielt aber die nordamerikanischen Rechte am HMV-Logo.

1936 gründete EMI in Frankreich die Société des Industries Musicales et Électriques Pathé-Marconi, die einerseits auf die Firma Pathé Fréres zurüchgeht, die 1918 von der gleichnamigen Filmgesellschaft abgetrennt worden war, andererseits auf die Marconi's Wireless Telegraph Company, deren Radiogeräte-Produktion Gramophone 1929 übernommen hatte.

1952 wurde EMI auch in den USA tätig. Drei Jahre später kauften die Briten Capitol Records aus Los Angeles, neben RCA-Victor, CBS/Coumbia und Decca eine der vier großen US-Plattenfirmen der damaligen Zeit. 1961 beteiligte sich EMI an Toshiba Musical Industries, eine Tochter des japanischen Elektronikkonzerns Toshiba.

Der große Wurf gelang EMI 1962, als George Martin, der A&R-Manager von Parlophone, die damals noch recht unbekannten Beatles unter Vertrag nahm, die zuvor bei Decca mit der Begründung »Gitarrengruppen sind nicht mehr in Mode« abgeblitzt waren. Die Liverpooler Pop-Gruppe erwies sich bald als wahre Geldmaschine, die eine Rekordmarke nach der anderen setzte. Bei Decca raufte man sich die Haare und engagierte die wilden Rolling Stones als Gegenpart zu den »sauberen« Beatles – und EMI wurde für lange Zeit zum größten Schallplattenkonzern der Welt (u.a. Cliff Richard, Duran Duran, Hollies, Iron Maiden, Kate Bush, Kraftwerk, Pet Shop Boys, Pink Floyd, Queen, Steve Harley, Tom Jones, Roxette, Shadows, Sheena Easton), obwohl nur etwa die Hälfte des Umsatzes aus dem Musikbereich stammte.

EMI
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Ansonsten produzierte das Unternehmen u.a. Bildröhren, Großrechenanlagen, Elektronenröhren, Medizintechnik, Radio- und Fernsehgeräte, TV-Technik, Radaranlagen, Studiotechnik, und elektronische Waffensysteme. 1968 stieg EMI mit der Übernahme der Associated British Corporation (ABC Cinemas, Associated British Film Distributors, Elstree Studios, Thames Television) auch in das Film- und Kinogeschäft ein.

1971 benannte sich der Konzern in EMI Limited um und 1973 bekam die für den Musikbereich zuständige Tochtergesellschaft The Gramophone Co. Ltd. den Namen EMI Records Ltd. Von da an wurde EMI Records das Hauptlabel, während die zuvor verwendeten Labels Columbia, Electrola, His Master's Voice, Odeon, Parlophone, Pathé-Marconi und Regal-Zonophone allmählich in den Hintergrund traten. Lediglich Capitol in den USA und das 1969 gegründete Progressive-Rock-Label Harvest hatten eine Sonderstellung. 1973 entstand auch der später weltgrößte Musikverlag EMI Music Publishing mit über eine Million Songs.

1979 wurde EMI von Thorn Electrical Industries übernommen, einem 1928 von dem Österreicher Jules Thorn in London gegründeten Unternehmen, das Radio- und Fernsehgeräte sowie Haushaltsgeräte herstellte und mehrere Elektronik-Handelsketten betrieb. In der Thorn-Ära erwarb EMI zahlreiche Musikfirmen wie United Artists Records (1979), RAK Records (1983), Hispavox (1985), Chrysalis Records (1989/1991), SBK Records (1991), Virgin Records (1992), Intercord (1994) und Mute Records (2002).

Nachdem ab Mitte der 1980er Jahre viele Geschäftsbereiche verkauft worden waren (u.a. 1986 Filmproduktion, Studios, Kinos; 1987 Unterhaltungselektronik, Haushaltsgeräte; 1993 Glühlampenproduktion, TV-Geräte; 1995 Elektronik), teilte sich Thorn-EMI 1996 schließlich wieder in die beiden selbstständigen Unternehmen Thorn (Einzelhandel) und EMI Group (Musik) auf. Die HMV Group (Musikkaufhäuser, Buchhandel) wurde 1998 aus dem Konzern ausgegliedert.

Von 2007 bis 2011 gehörte die EMI Group zu einer Private-Equity-Firma, die die Übernahme mit einem Milliardenkredit der Citigroup finanzierte, der wiederum EMI aufgebürdet wurde. Die Schulden, die der Musikkonzern dadurch anhäufte, überstiegen zeitweise das Betriebsvermögen um mehrere Millionen Pfund. Schließlich erließ die Citigroup dem Unternehmen 2011 zwei Drittel der Verbindlichkeiten, wodurch die US-Bank Eigentümer der EMI Group wurde. 2011/2012 verkaufte die Citigroup die EMI Group in zwei Teilen: die Plattenfirma EMI Records (Capitol Records, Chrysalis Records, EMI Records, Harvest, Parlophone, Regal-Zonophone, Virgin Records) ging an Universal Music und der Musikverlag EMI Music an Sony Music. 2013 musste Universal Music die Labels Parlophone, Chrysalis und Regal-Zonophone aus kartellrechtlichen Gründen an die Warner Music Group abgeben.

Auf dem früheren EMI-Firmengelände in Hayes, das heute den Namen The Old Vinyl Factory trägt, sind Gewerbeimmobilien, Wohnungen und Bildungseinrichtungen angesiedelt.

Text: Toralf Czartowski • Fotos: Unsplash.com, Pixabay.com, Public Domain