Markenlexikon

Convair

Ursprungsland: USA

CONSOLIDATED AIRCRAFT: Reuben Hollis Fleet (1887 – 1975), Chef der Gallaudet Aircraft Corporation, gründete 1923 in Buffalo/New York die Consolidated Aircraft Corporation. Daraufhin erwarb er von der General-Motors-Tochter Dayton-Wright Airplane (1917 von Charles Franklin Kettering und Orville Wright in Dayton/Ohio gegründet und seit 1919 im Besitz von GM), die sich aus dem Flugzeugbau zurückziehen wollte, die Herstellungsrechte des Schulflugzeugs Dayton-Wright TW-3, aus der die PT-1 (US Army) und NY-1 (US Navy) entstand. 1935 verlegte das Unternehmen seinen Sitz nach San Diego/California. Die wichtigsten Flugzeuge von Consolidated Aircraft waren das Flugboot PBY Catalina (1935 – 1945) und der Fernbomber Consolidated B-24 Liberator (1939 – 1945), das meistgebaute amerikanische Flugzeug des 2. Weltkriegs (18.482 Exemplare). 1941 verkaufte Fleet seine Anteile an die AVCO-Tochter Vultee Aircraft.

GERALD FREEBAIRN VULTEE: Der frühere Lockheed-Chefingenieur Gerald Freebairn Vultee (1900 – 1938) und Vance Breese (1904 – 1973), von 1926 bis 1932 Besitzer der Breese Aircraft Company, hatten dieses Unternehmen 1932 unter dem Namen Airplane Development Corporation gegründet. Finanziert wurde es größtenteils von dem Unternehmer Erret Lobban Cord (1894 – 1974), dem die Holdinggesellschaft Cord Corporation (Auburn Automobile Company, Century Airlines, Duesenberg, Lycoming Manufacturing Company, Stinson Aircraft) gehörte.

Vultee konstruierte das einmotorige Ganzmetallflugzeug Vultee V-1 (1933 – 1937), das für acht Passagiere ausgelegt war. Die meisten V-1 kaufte American Airlines. Insgesamt baute Airplane Development von 1933 bis 1936 25 Exemplare. Gegen die moderneren und wegen der zwei Motoren sichereren Douglas DC-2 und DC-3 konnte sich die Vultee V-1 jedoch nicht durchsetzen. Aus der V-1 wurden auch die Kampfflugzeuge V-11 und V-12 abgeleitet. Weitere Vultee-Modelle waren die Vultee BT-13/15 Valiant (Erstflug 1939), eine Trainingsflugzeug, das von der US Air Force und der US Navy während des 2. Weltkriegs in großer Stückzahl eingesetzt wurde (11.537 Exemplare), das Jagdflugzeug Vultee P-66 Vanguard (1939 – 1942) und der Bomber Vultee A-31 Vengeance (1941 – 1948). Das Vultee-Werk befand sich ab 1937 in Downey/California.

AVCO: 1934 wurden Cords Flugzeugfirmen (Airplane Development, Lycoming Manufacturing Company, Stinson Aircraft) von der Aviation Corporation (AVCO) übernommen, die ein neues Unternehmen ins Leben rief: Aviation Manufacturing Corporation (AMC). Sherman Mills Fairchild (1896 – 1971), der Gründer und Besitzer von Fairchild Aircraft, hatte AVCO 1929 mit dem Ziel gegründet, verschiedene Frachtfluggesellschaften, die für die US-Postbehörde den Luftpostdienst durchführten, unter einem Dach zu vereinigen. AVCO übernahm noch im Gründungsjahr eine ganze Reihe weiterer kleiner Fluggesellschaften, die 1930 unter dem Namen American Airways zusammengefasst wurden. 1934 wurde AVCO in zwei unabhängige Bereiche getrennt (Flugzeugbau, Fluglinien) – aus den Fluggesellschaften ging American Airlines hervor.

VULTEE AIRCRAFT: 1936 löste AVCO die Tochtergesellschaft AMC wieder auf, wodurch Stinson Aircraft und Vultee Aircraft eine gemeinsame AVCO-Tochtergesellschaft bildeten (Vultee Aircraft Division). 1938 kamen Gerald Vultee und seine Frau Sylvia bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Ab 1939 firmierte Vultee als Vultee Aircraft Inc.

CONSOLIDATED-VULTEE AIRCRAFT (CONVAIR): Nachdem Reuben Hollis Fleet seine Consolidated-Aircraft-Anteile 1941 an AVCO/Vultee Aircraft verkaufte hatte, schloss AVCO Consolidated Aircraft und Vultee Aircraft 1943 zur Consolidated-Vultee Aircraft Corporation (Convair) zusammen. 1947 verkaufte AVCO – nun offiziell Avco Manufacturing Corporation – Consolidated-Vultee Aircraft an die Atlas Corporation des Investors Floyd Odlum. AVCO behielt jedoch den Flugmotorenhersteller Lycoming (Avco-Lycoming) und übernahm im Laufe der Jahre zahlreiche andere Unternehmen (1945 New Idea Company, 1945 Crosley Corporation, 1951 Bendix Home Appliances, 1966 Carte Blanche Charge Cards, 1967 Embassy Pictures). Mit der Übernahme durch den Textron-Konzern endete 1985 die AVCO-Geschichte.

Convair

GENERAL DYNAMICS / CONVAIR: 1953 ging die Consolidated-Vultee Aircraft Corporation in den Besitz des U-Boot-Herstellers General Dynamics über, was zu einer Umbenennung in Convair Division of General Dynamics führte. Jagdflugzeuge und Bomber wurden auch nach dem Ende des 2. Weltkriegs weitergebaut, u.a. der Intercontinental-Bomber Convair B-36 (1946 – 1954), der Abfangjäger F-102 Delta Dagger (1953 – 1964), der Überschallbomber B-58 Hustler (1955 – 1964) und der Abfangjäger F-106 Delta Dart (1955 – 1964), ebenso die Raketen Terrier und Atlas/Centaur (Erststart 1958). Das Forschungsflugzeug XF-29A (Erstflug 1948), von dem nur einziges Exemplar gebaut wurde, war das erste Flugzeug der Welt mit Deltaflügeln (aus ihr ging die F-102 hervor). 1953 eröffnete Convair eine weitere Fabrik in Pomona/California.

VERKEHRSFLUGZEUGE: Ab 1947 baute das Unternehmen auch Verkehrsflugzeuge, die sich jedoch gegen die Modelle der Konkurrenten Boeing, Douglas Aircraft (DC-Modelle) und Lockheed nicht durchsetzen konnten. Die wichtigsten Maschinen waren die zweimotorigen Modelle Convair CV-240 (1947 – 1958; 571 Exemplare), Convair CV-340 (1951 – 1956; 311 Exemplare) und Convair 440 Metropolitan (Erstflug 1955; 178 Exemplare) sowie die vierstrahligen Modelle CV-880 (1959 – 1963; 65 Exemplare) und CV-990 Coronado (1961 – 1963; 37 Exemplare). Die CV-880 und CV-990 waren die schnellsten je gebauten Unterschallverkehrsflugzeuge. Die CV-880 erreichte eine Reisegeschwindigkeit von knapp 1000 km/h (Mach 0,87), die CV-990 schaffte sogar Mach 0,9. Als Triebwerk kam die zivile Variante des General Electric J79 ohne Nachbrenner zum Einsatz. Das J79 wurde ansonsten in Kampfjets wie Convair B-58, McDonnell F-4 Phantom II oder Lockheed F-104 Starfighter eingebaut. Der Schnelligkeit standen jedoch ein erhöhter Treibstoffverbrauch, eine starke Raucherzeugung, die typisch für das J79 war, und eine enorme Lautstärke gegenüber. Zudem konnte die CV-880/990 weniger Passagier befördern als die Boeing 707 und die DC-8. Nach dem Auslauf des finanziell verlustreichen Convair 880/990-Programms 1963 stellte das Unternehmen den Bau ziviler Verkehrsflugzeuge ein.

Die Militärflugzeuge bekamen nun die Bezeichnung General Dynamics (F-111, F-16 Fighting Falcon). Die Convair Division stellte weiterhin Flugzeugteile her (u.a. Space-Shuttle-Mittelrumpf, Teile für das Tomahawk-Programm, Flugzeugrümpfe für die McDonnell-Douglas DC-10 und MD-11) und beschäftigte sich mit der Wartung der alten noch in Dienst befindlichen Convair-Maschinen.

AUFLÖSUNG: Im Zuge der Konzentrationsbestrebungen der US-Luft- und Raumfahrtindustrie gab General Dynamics 1993 den Bau von Militärflugzeugen auf. Das F-16-Programm und das Werk in Fort Worth/Texas übernahm daraufhin Lockheed-Martin. Die Aerostructures-Abteilung (Bau des MD-11-Rumpfes) wurde 1994 an McDonnell-Douglas verkauft, allerdings ohne die Produktionsanlagen in San Diego, die anschließend geschlossen wurden. 1996 löste General Dynamics die Convair Division auf.

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