Markenlexikon

B.R.M. (British Racing Motors)

Ursprungsland: USA

Bis zum Ende des 2. Weltkriegs dominierten im europäischen Grand-Prix-Rennsport Fahrzeuge aus Italien, Deutschland und Frankreich. Das lag zum Teil auch daran, dass in diesen Ländern die Hersteller von Rennwagen (u.a. Alfa-Romeo, Auto-Union, Bugatti, Delage, Maserati, Mercedes-Benz, Talbot) großzügige staatliche Unterstützung erhielten. Dafür traten sie als Repräsentanten des jeweiligen Staates auf. So etwas gab es in Großbritannien nicht.

Der Rennfahrer Thomas Raymond Mays und Peter Berthon gründeten 1947 die Automobile Developments Ltd. mit Sitz in Bourne/Lincolnshire. Ziel dieses Unternehmens war es, den britischen Rennsport auf gesunde finanzielle Füße zu stellen und eine Art Nationalteam zu etablieren. Zahlreiche Autohersteller und Zulieferer unterstützten das Projekt (u.a Rolls-Royce), ebenso wie die britische Regierung. Zur Finanzierung wurde der British Racing Motor Research Trust gegründet, der auch Geldspenden einsammelte. Die Mitarbeiter kamen zum Teil von der Firma ERA (English Racing Automobiles), für die May früher Rennen gefahren war und deren altes Werk direkt an das B.R.M.-Werk grenzte. 1949 wurde der Prototyp eines Rennwagens vorgestellt. Auch die Motoren entwickelte B.R.M. selbst.

1950 nahm B.R.M. erstmals an einem Rennen teil und 1951 war das Unternehmen mit den Fahrern Reg Parnell und Peter Walker bei der 2. Formel-1-WM vertreten. Bald stellte sich jedoch heraus, dass die umständliche Organisation des Unternehmens zu zahlreichen Problemen führte. 1952 wurde B.R.M. schließlich von dem Autoteilehersteller Rubery Owen übernommen, der von Anfang an einer der Partner gewesen war. Das Team firmierte nun offiziell als Owen Racing Organisation, wobei die Abkürzung B.R.M. in Verwendung blieb. Die Leitung übernahm Alfred Owen (1908 – 1975), die aktiven Geschäfte führten weiterhin May und Berthon.

In den 1950er Jahren spielte B.R.M. in der Formel 1 noch keine Rolle, erst ab 1958 nahm der Rennstall, der ähnlich wie Ferrari Chassis und Motor selbst herstellte, regelmäßig an der F1-Weltmeisterschaft teil. Neben dem eigenen Werksteam belieferte B.R.M. auch andere Teams und Privatfahrer mit Rennwagen und Motoren.

1962 wurde Graham Hill, der 1960 von Lotus zu B.R.M. gewechselt war, schließlich Formel-1-Weltmeister. Gleichzeitig stand B.R.M. auch auf Platz 1 der Konstrukteurswertung. Im nächsten Jahr standen Hill und der zweite B.R.M.-Fahrer Richie Ginther auf den Plätzen 2. und 3. der Fahrerwertung. 1964 und 1965 wurde Hill erneut Vizeweltmeister. 1965 kam auch der damals noch weitesgehend unbekannte Jackie Stewart zu B.R.M. Er stand am Ende der Saison auf dem 3. Platz. Hill wechselte 1967 wieder zu Lotus zurück und Stewart ging 1968 zu Matra/Tyrrell. Danach rutschte B.R.M. ins Mittelfeld ab.

Im Oktober 1971 verunglückte der Schweizer Rennfahrer Jo Siffert in einem B.R.M. in Brands Hatch tödlich. Es war der einzige tödliche Unfall den der B.R.M.-Rennstall im Laufe seiner Existenz zu verzeichnen hatte. 1972 gewann B.R.M. letztmalig einen Grand-Prix (Monaco, Jean-Pierre Beltoise). In der Saison 1973 fuhr neben Beltoise und Clay Regazzoni auch der junge Österreicher Niki Lauda für B.R.M. Er kam zwar nur auf Platz 17 in der Fahrerwertung, aber dafür wurde Enzo Ferrari auf ihn aufmerksam. 1974 wechselte Lauda zu Ferrari.

Nach dem Tod Alfred Owens im Jahr 1975 rutsche B.R.M. in eine schwere Krise, da der Owen-Konzern die finanzielle Unterstützung einstellte. In der F1-Saison 1976 konnte B.R.M. nur noch ein Rennen fahren. Der damalige Teamchef Louis Stanley, der Eheman von Alfred Owens Schwester Jean, führte das Team unter dem Namen Stanley-B.R.M. noch bis 1977 weiter. Mit nicht konkurrenzfähigen Rennwagen, wenigen Sponsoren und nur finanziert von wechselnden Paydrivern konnte B.R.M. jedoch nichts mehr besehen. Die Saison 1977 war dann auch die letzte.

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