Markenlexikon

Afri-Cola

Ursprungsland: Deutschland

Die 1864 in Köln gegründete Firma Friedrich Blumhoffer Nachfolger war zunächst ein Hersteller von Essenzen für die Spirituosen- und Getränkeindustrie. 1931 übernahm Karl Flach (1905 – 1997) die Geschäftsführung des Unternehmens, nachdem er zuvor die Tochter des vorherigen Eigentümers Wilhelm Kolvenbach geheiratet hatte. Nach einer Reise in die USA, wo Cola schon weiter verbreitet war als in Europa, hatte er die Idee für eine deutsche Cola-Marke. Noch 1931 brachte die Firma Afri-Cola auf den Markt – zwei Jahre nachdem in Deutschland erstmals Coca-Cola abgefüllt worden war. Der Name entstand aus dem Hauptbestandteil der Limonade, westafrikanischen Kolanüssen. Im Blumhoffer-Werk in der nördlichen Kölner Altstadt wurde das Konzentrat hergestellt, die Abfüllung übernahmen andere Getränkehersteller und Brauereien. In den 1920er Jahren kam noch ein weiteres Werk in Köln-Braunsfeld hinzu.

Trotz der starken Konkurrenz durch Coca-Cola und Pepsi-Cola konnte sich Afri-Cola auf dem deutschen Markt behaupten. Und nicht nur dort, die braune Limonade wurde auch in vielen anderen europäischen Ländern abgefüllt; ab den 1970er Jahren auch in Teilen Afrikas und im arabischen Raum. 1952 brachte die Herstellerfirma mit der Orangenlimonade Bluna (BLUmhoffer NAchfolger) noch ein weiteres erfolgreiches Produkt auf den Markt. Anfang der 1960er Jahre entwarf der Designer Jupp Ernst (1932 – 2005) die noch heute verwendete Afri-Cola-Flasche, die sich stark an der taillierten Form der Coca-Cola-Flasche orientierte.

Afri-Cola
Afri-Cola

Der große Durchbruch als Kultmarke kam jedoch erst Ende der 1960er Jahre. Im Stil der Hippie-Generation versetzte Werbeguru Charles Wilp (1932 – 2005) Deutschland mit Slogans wie »Sexy-Mini-Super-Flower-Pop-Up-Cola – alles ist in Afri-Cola.«, Plakaten, auf denen nackte Mädchen posierten (Slogan: »Die Götterquelle mit dem Afri-Cola-Schlauch.«) oder TV-Spots, in denen von Koffein berauschte Nonnen zu sphärischen Klängen lasziv wippten, in den Afri-Cola-Rausch. Die katholische Kirche fand das damals gar nicht lustig und protestierte gegen diese Werbekampagne – mit dem Ergebnis, dass die Aufmerksamkeit dadurch nochmals stieg.

Doch so schnell wie der Rausch kam, war er auch wieder vorbei. In den 1980er Jahren eroberten die US-Gertränkriesen Coca-Cola (Coca-Cola, Fanta, Sprite) und PepsiCo (Mirinda, Pepsi-Cola, 7-Up) mit gewaltiger Finanzkraft und Marketingpower den deutschen Erfrischungsgetränkemarkt. Ende der 1980er Jahre war Afri-Cola fast völlig aus den Regalen verschwunden. Erst im Zuge eines 1970er Jahre-Revivals und dank des hohen Koffeingehalts schaffte Afri-Cola in den 1990er Jahren ein Comeback als Szenegetränk in Techno-Clubs, Cafés und Kneipen. Inzwischen gibt es die einstige Hippie-Limonade auch wieder in Getränkeshops und Supermärkten.

1994 verkaufte die Afri-Cola GmbH die Marke Bluna an die Mineralbrunnen Überkingen-Teinach AG. 1996 löste Afri-Cola das Netz der Fremdabfüller auf und konzentrierte die Herstellung und Abfüllung im Werk Köln-Braunsfeld. Das Werk in der Kölner Altstadt wurde anderweitig vermietet. 1999 erwarb die Mineralbrunnen Überkingen-Teinach AG schließlich auch die Marke Afri-Cola. Die Gründerfamilie Flach behielt nur den Immobilienbesitz. Daraufhin verlagerte der neue Eigentümer die Herstellung von Afri-Cola in seine eigenen Produktionsstätten (Bad Teinach, Fachingen, Güstrow, Kißlegg). Das Werk in der Kölner Altstadt wurde 2012 abgerissen.

Text: Toralf Czartowski • Foto: Unsplash.com, Public Domain